Verabschiedung der Gemeindetagsteilnehmer



Dr. Josef, 17.12. in Berlin

Kwod Harabanim,

sehr geehrter Herr Bundesminister,

haben Sie herzlichen Dank für Ihre Worte.

Sehr geehrte Teilnehmer des Gemeindetages,

wir sehen uns das letzte Mal an diesem Gemeindetag gemeinsam im großen Saal. In wenigen Momenten werden Sie zu Ihren letzten Sessions aufbrechen und dann Ihren Heimweg antreten.

Vor drei Tagen sind wir auf diesen Weg gemeinsam gestartet. Neugierig, nicht ganz sicher, was uns erwarten wird in dieser so schwierigen Situation für uns Juden in Deutschland.

Ein Gedanke hat uns in dieser Zeit besonders begleitet: Das Gefühl zusammen zu sein. Wir haben zusammen Chanukka gefeiert. Wir haben zusammen diskutiert, zusammen gebetet, UND zusammen gefeiert haben wir auch. „Zusammen leben“, das Motto unseres Gemeindetages, wurde in diesen Tagen ganz nahbar. Es ist keine Phrase, sondern es ist, wie wir sind.

Was daraus folgt: Die jüdische Gemeinschaft hält zusammen – in dieser Zeit ganz besonders. Der Gemeindetag kam zu einem Zeitpunkt, an dem wir ihn so dringend gebraucht haben, wie kaum zuvor.

Und dieser Gemeindetag war daher etwas Besonderes, doch das wird er nicht einfach so, sondern er wird dies durch seine Teilnehmer; durch Sie alle. Ich möchte auch diese Gelegenheit nochmal nutzen, mich bei allen zu bedanken, die diesen Gemeindetag möglich gemacht haben, vor allem den Mitarbeitern des Zentralrats und stellvertretend dafür dem Geschäftsführer Daniel Botmann.

Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass wir mit diesem Zusammenhalt nach Hause fahren, in unsere Gemeinden; dass wir dort den Geist dieses Gemeindetages versprühen werden.

Wir wollen als jüdische Gemeinschaft, als Jüdinnen und Juden, von diesem Gemeindetag ein lautes Zeichen senden: Wir lassen uns nicht unterkriegen! Niemals! Wir begegnen dem Hass, den wir auf den Straßen sehen, an den Universitäten, ja in der Mitte der Gesellschaft, mit Mut und Zusammenhalt.

Liebe Freunde, der Gemeindetag war ein Fest der Jüdischkeit und ein starkes Signal, dass jüdisches Leben in Deutschland zu Hause ist. Wir haben gemeinsamen mit den höchsten Repräsentanten unseres Landes ein Zeichen gesetzt gegen die Spaltung unserer Gesellschaft. Wir Juden verwehren uns einer Aufteilung der Gesellschaft in abgeschlossene Gruppe. Es gibt kein „Wir“ und kein „die da“. Das ist das Prinzip unserer offenen und freien Gesellschaft. Aber es darf auch keine falsche Toleranz mit den Verächtern und Gegnern dieser Gesellschaft geben – auch dafür steht dieser Gemeindetag, meine Damen und Herren.

Wir Juden, wir lassen uns nicht bei Seite verschieben. Wir sind hier und wir halten zusammen. Ich habe nach diesen Tagen des Zusammenseins auch ein erhabenes Gefühl. Wer ein Teil dieser Gemeinschaft ist, der wird nicht verzagen, der ist niemals allein.

Wir nehmen diese Zeit in unseren Herzen mit. Wir werden sie bewahren, und ich bin ehrlich zu Ihnen, wir werden das wohl leider auch brauchen. Es wird Momente geben, in denen wir zu verzweifeln drohen werden. Aber das werden wir nicht.

Wir werden uns dann an diese Zeit erinnern; bis wir uns beim nächsten Gemeindetag wiedersehen!

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