Konferenzen & Seminare

AUTONOMIE UND GESETZ
11. – 13. Mai 2022, Berlin
Konferenz

Jüdinnen und Juden in Deutschland kämpften seit dem 19. Jahrhundert für die Gleichberechtigung ihrer Gemeinden mit den christlichen Kirchen und für die Rechte des Einzelnen, insbesondere auf religiöse jüdische Bildung. Was ist davon heute geblieben? Wie sind die derzeitigen rechtlichen Grundstrukturen des Verhältnisses von Staat und Religion in Deutschland allgemein? Welche Rechte auf ein religiöses jüdisches Leben vermittelt das staatliche Recht, wo sind die Grenzen? Dürfen etwa an Jom Kippur Klausuren geschrieben werden, im Falle, dass jüdische Schüler in der Klasse sind? Haben jüdische Schüler und Schülerinnen an öffentlichen Schulen einen Anspruch auf jüdischen Religionsunterricht? Gibt es ein Recht auf Arbeitsbefreiung an jüdischen Feiertagen? Kann der Arbeitgeber das Tragen einer Kippa am Arbeitsplatz verbieten? Ist der Staat verpflichtet, jüdische Gemeinden finanziell zu unterstützen? Wie intensiv darf er die Verwendung staatlicher Mittel durch jüdische Gemeinden kontrollieren? Wie viel gesetzliche Regelung ist notwendig, um ein möglichst großes Maß an Freiheit und Autonomie zu erlangen beziehungsweise zu erhalten? Verbindet der Staat mit rechtlichen Garantien eine Erwartung an die jüdische Gemeinschaft? Ist eine möglichst starke Integration in die staatlichen Strukturen insgesamt wünschenswert, oder kann eine größere Distanz zum Staat im Ergebnis mehr Autonomie für den Einzelnen und die jüdische Gemeinschaft bedeuten? Die Konferenz „Autonomie und Gesetz“ soll einen Überblick über den aktuellen Status jüdischer Religionsgemeinschaften im staatlichen Recht sowie Inhalt und Grenzen der Religionsfreiheit des Einzelnen geben und damit verdeutlichen, was das Gesetz derzeit gewährleistet.

 

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Israelische Filme finden bereits seit Jahren unter Cineasten ein wachsendes Interesse.
Sie vermögen mit ästhetischen und fitmsprachlichen Mitteln umfassende Einblicke in die komplexen politischen und kulturellen Verhältnisse der israelischen Gesellschaft zu eröffnen. Dabei thematisieren sie den von permanenter militärischer Bedrohung gekennzeichneten Alltag wie auch persönliche Auseinandersetzungen im familiären Kontext, in der multikulturell geprägten Nachbarschaft, in der Armee oder in der privaten Beziehungswirklichkeit.Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, einen besonderen Blick auf die Rolle der Frau im israelischen Kino zu richten. Im Fokus des Interesses stehen die vielfältigen Herausforderungen israelischer Frauen in einer gleichwohl faszinierenden wie auch anstrengenden Gesellschaft, die sich in Anbetracht immer wiederkehrender Konfliktmuster ihren Weg zwischen Tradition und Moderne sucht. So entspricht das Verhältnis zwischen den Geschlechtern in der israelischen Gesellschaft dem anderer westlicher Staaten: trotz der proklamierten Gleichberechtigung der Geschlechter bleiben die oft voneinander abweichenden Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit und die mit ihnen einhergehenden Geschlechterrollen ein bestimmendes und spannungsreiches Thema, nicht zuletzt wegen der Dynamik, die dieser Auseinandersetzung in säkularen wie auch in traditionellen Sektoren der israelischen Gesellschaft zugrunde liegt.
Israelische Frauen spielen sowohl in der realen wie auch fiktiven Welt eine herausragende Bedeutung. Ihre sozialen Rollen sind komplex. wie das Land selbst betrachtet man die politische Karriere der ehemaligen Ministerpräsidentin, Golda Meir, oder die Dienstpflicht von Israelinnen in den Streitkräften, scheint in Israel für Frauen alles möglich zu sein. Hingegen gibt es Gesellschaftsgruppen, in denen Frauen wenig oder gar keinen Einfluss haben. Im Allgemeinen sind das Bildungsniveau und die Zahl der erwerbstätigen israelischen Frauen im internationalen Vergleich sehr hoch. Auch die Geburtenrate übersteigt den Bevölkerungszuwachs europäischer Länder um ein Vielfaches. Dies bedeutet für Frauen eine noch größere Herausforderung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Die besonderen Bedingungen, unter denen israelische Frauen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Alters und sozialen Status ihren Alltag strukturieren ist Thema der auf dem Seminar gezeigten Filme und Vorträge.

SUMMERSCHOOL
117 JAHRE JÜDISCHE FILMGESCHICHTE
IN DEUTSCHLAND


zum 28. Jüdischen Filmfestival
Berlin Brandenburg JFBB
15. – 19. Juni 2022 in Berlin


Die Summerschool lädt Studierende und Promovierende unterschiedlicher Fachrichtungen ein, das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg kennenzulernen und sich fünf Tage lang mit jüdischer Filmgeschichte zu befassen. Jüdischer Film wird dabei einerseits in der Programmlogik jüdischer Filmfestivals verstanden, die mit den Filmen einen Diskursraum zu jüdischen Themen eröffnen und andererseits als mediale Form in
seiner Ästhetik und Geschichte reflektiert. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Summerschool haben die Möglichkeit, vormittags an Workshops, Vorträgen und Gesprächen teilzunehmen und nachmittags
sowie abends Filme des Festivalprogramms zu sehen. Das Programm beinhaltet medienwissenschaftliche Vorträge, die zur kritischen Auseinandersetzung mit jüdischen Filmen anleiten, sie diskutieren und disziplinär
verorten. Vorgesehen ist weiterhin die Vorstellung aktueller Forschungsprojekte zum jüdischen Film sowie Gespräche mit Filmschaffenden und zur Festivalkuratierung.

BE’ESRAT HA SCHEM
JÜDISCHE LITURGIE, GEBET UND G‘TTESDIENST

Seminar für Militärrabbiner, Militärrabbinerinnen
Rabbinatshelfer, Rabbinatshelferinnen
Mitwirkende am G‘ttesdienst in Jüdischen Gemeinden
Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main
4. bis 8. Juli 2022


„Tefila, Tschuwa weZedaka“ – Gebet, Rückkehr und
Wohltätigkeit oder das Schaffen von Gerechtigkeit
– Das sind die zentralen Handlungen, die nach der
Liturgie der Tage der Umkehr es uns Jüdinnen und Juden
insbesondere zwischen Neujahr und dem Versöhnungstag
ermöglichen, wieder eine Beziehung zu G’tt
herzustellen und Vergebung zu erlangen. Im Morgengebet
sagen wir, dass die Aufmerksamkeit beim Gebet
Früchte nicht nur in dieser, sondern auch in der künftigen
Welt trägt. Angesichts dieser großen Bedeutung
des Gebets ist es ein besonderes Verdienst, sich daran
aktiv zu beteiligen und sicherzustellen, dass vor allen
Dingen das Gebet mit einem Minjan, also dem Quorum
von mindestens zehn Personen, durchgeführt wird.
Aber was ist eigentlich die Bedeutung der verschiedenen
Abschnitte des Morgen-, Mittags- und Abendgebets?
Was ist zwingend für ein vollgültiges Gebet in
einer Gemeinde erforderlich, was ist entbehrlich? Worin
bestehen konkret die Unterschiede zwischen den
Gebetstraditionen der unterschiedlichen Strömungen
im Judentum in der Praxis, und was sind die Gründe
hierfür? Gibt es Möglichkeiten für ein multireligiöses
Gebet? Wo bestehen hier die Grenzen?
Auf diese Fragen soll das Seminar „Jüdische Liturgie,
Gebet und G‘ttesdienst“ eine Antwort geben. Dabei
liegt der Schwerpunkt auf der praktischen Umsetzung
des Gelernten, insbesondere unter den besonders herausfordernden
Bedingungen im Rahmen der Jüdischen
Militärseelsorge in der Bundeswehr. Die Veranstaltung
richtet sich deshalb speziell an Militärrabbiner und
Militärrabbinerinnen und Rabbinatshelfer und Rabbinatshelferinnen
des Militärrabbinats sowie Personen,
die diese Tätigkeit anstreben. Am Ende des Seminars
kann eine Prüfung zum Erwerb des Zertifikats „Jüdische
Liturgie“ abgelegt werden.

 

Anmeldung unter: http://bildungsabteilung.zentralratderjuden.de/

Vergangene Veranstaltungen 2021

Wer träumt nicht davon – volle Synagogen, tägliche Veranstaltungen und noch mehr Jüdischkeit in den Häusern der Gemeindemitglieder seiner Stadt? Doch dann kam die Corona-Pandemie: Synagogen dürfen nur unter strengen Vorschriften öffnen, Veranstaltungen sind so gut wie unmöglich und der Kontakt zu den Gemeindemitgliedern wurde schwerer als je zuvor – doch ist das wirklich so? In jeder Krise steckt eine Chance. Und die Chance der Corona-Krise sind Online-Formate! Volle Zoom-Konferenzen, tägliche Social-Media-Events und jedes Gemeindemitglied ist theoretisch mit einem Laptop, Tablet oder Handy erreichbar. Doch wie kann man sie tatsächlich erreichen? Wie schafft man, sich außerhalb der Synagoge für religiöse Themen Gehör zu verschaffen und wie kann man, auch nach der Pandemie, die vielen Vorteile von Social Media nutzen, um noch attraktiver und aktiver für die eigenen Mitglieder zu werden? Das und vieles mehr zeigen wir Ihnen in diesem Online-Seminar.

am 23. März 2021, fanden in Israel Wahlen zur 24. Knesset statt. Wir möchten Sie aus diesem Anlass, zu einer Einschätzung und Bewertung der Wahlergebnisse einladen. Als Gesprächspartner konnten wir Prof. Dr. Natan Sznaider, Professor für Soziologie an dem Academic College of Tel-Aviv-Yaffo-School of Government and Society, gewinnen.

Natan Sznaider ist Professor für Soziologie an der Akademischen Hochschule von Tel Aviv. Er spezialisiert sich auf soziologische und politische Theorien, Globalisierung, Erinnerungskultur und Antisemitismus.

Das Gespräch kann auf dem YouTubeKanal des Zentralrats der Juden in Deutschland angeschaut werden:

https://www.youtube.com/watch?v=CwnpvZIqi_4

 

Jüdische Superheld:innen: Zwischen Popkultur und Identitätspolitik Was genau macht Magneto, Shadowcat und Thing zu jüdischen Heldinnen und Helden? Der Vortrag „Jüdische Superheld:innen“ fragt nach jüdischen Heldinnen und Helden aus Film, Fernsehserien und Comics – in manchen Fällen ist die jüdische Identität der Protagonistinnen und Protagonisten klar markiert, in anderen Fällen müssen wir dagegen genauer hinschauen.

 

Im Gespräch: Prof. Dr. Frederek Musall, Comic-Fan und stellvertretender Rektor für Jüdische Studien Heidelberg und Dipl. Päd. Sabena Donath, Leiterin der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden.

 

Der Vortrag kann auf dem YouTube-Kanal des Zentralrats der Juden in Deutschland angeschaut werden:

 

www.youtube.com/watch

In den letzten Wochen erleben wir nicht nur den Raketenbeschuss der Hamas, sondern auch gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern innerhalb des Staates Israel. Der Vortrag lenkt daher den Blick auf die unterschiedlichen nichtjüdischen Minderheiten im jüdischen Nationalstaat: Wie steht es um ihre staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten? Wie positionieren sie sich zum zionistischen Projekt - und was ist ihr Beitrag zur Gestaltung der israelischen Gesellschaft? Ausgehend von einem historischen und demographischen Überblick diskutiert der Vortrag die verschiedenen nichtjüdischen Minderheiten im Staat Israel (israelische Araber, Drusen, Aramäer, ausländische Arbeitskräfte...) und analysiert ihre rechtliche und politische Situation im Spannungsverhältnis zwischen Marginalisierung und Israelisierung.

Im Gespräch: Prof. Dr. Johannes Becke, Professur für Israel- und Nahoststudien an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Prof. Dr. Doron Kiesel, wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Der Vortrag kann auf dem YouTube-Kanal des Zentralrats der Juden in Deutschland angeschaut werden:

 

https://www.youtube.com/watch?v=mVxGZgqHtnM

In Deutschland werden 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland begangen. Ein Grund zum Feiern? Definitiv ein Anlass, um jüdische Geschichten sichtbarer zu machen. Aber wie? Mit der ersten jüdischen Late Night Show im deutschen Fernsehen wurde ein Versuch gemacht: „Freitag Nacht Jews“, produziert von Turbokultur für den WDR, will mehr sein, als ein weiteres Porträt junger jüdischer Menschen.

 

Der Schauspieler und Musiker Daniel Donskoy schlüpft für dieses Format nicht nur in die Rolle des Gastgebers, sondern auch des Kreativproduzenten. Er lädt junge Persönlichkeiten zum Schabbat-Dinner ein und diskutiert mit ihnen über Themen, die sie nicht nur als Jüdinnen und Juden beschäftigen, sondern auch als Teil der sogenannten Mehrheitsgesellschaft.

 

Die erste Staffel von „Freitag Nacht Jews“ ist abgedreht und wurde in der ARD Mediathek ausgestrahlt, ab dem 18. Juni folgt die lineare Fernsehausstrahlung im WDR. Doch in guter jüdischer Tradition muss der Diskurs immer weitergehen. Deshalb ist Daniel Donskoy nun zu Gast im Jüdischen Salon des Zentralrats. Sabena Donath spricht mit ihm über das Wagnis, sich nicht nur auf der künstlerischen Ebene einer solchen Thematik zu nähern, sondern auch auf einer sehr persönlichen. Was es bedeutet, Filter abzulegen, Selbstbestimmung auszuleben, das eigene Schaffen mit einer Prise Chuzpe zu versehen und was bleiben kann, als Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenleben nach 1700 Jahren jüdischem Leben in Deutschland.

 

Das Gespräch kann auf dem YouTube-Kanal des Zentralrats der Juden in Deutschland angeschaut werden:

 

https://www.youtube.com/watch?v=XZSCpy-bneE&t=151s

Projekt: WISSENSCHAFT ZUHAUSE / MADA BA-BAYIT

 

20. Juli 2021

Online-Vortrag

Das Verhältnis von Yaaqov und Esaw in Gen 25-36 enthält den Stoff, „aus dem Geschichten sind“. Die auftretenden Motive sind vielseitig und realitätsnah: ein Bruderzwist, besonders bei Zwillingen, ungleich verteilte Zuwendung seitens der Eltern (in diesem Fall: Yaaqov von Rivqa, Yitzchaq von Esaw). Die Charaktere der beiden haben ebenso zeitlosen gesellschaftlichen Inhalt: Einerseits Yaaqov, der „feine“, schwächliche Mann, ein Muttersöhnchen, das sich „emanzipiert“, aber auch schlau ist und geschickt (ver)handelt, andererseits Esaw: der Jäger, die Verkörperung des Lebemannes, aber auch des groben Klotzes. Die beiden Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein, und schon hier findet sich eine Form: eine deutliche Gegensätzlichkeit der Figuren. Diese Gegensätzlichkeit besteht im gesamten Verlauf der biblischen Erzählung bis Gen. 33, dem spannenden Augenblick, in dem sich die beiden Kontrahenten nach langer Zeit wieder sehen und: „Versöhnen“. Diese Versöhnung kann als „Happy End“ des Bruderzwistes verstanden werden, wie es auch so manchen Roman beendet, es kann aber auch der Ausgangspunkt für manch andere Spekulationen sein ...

Das Motiv des Bruderzwistes erscheint in vielen Werken, so auch in der neueren Literatur. In der älteren Literatur wurde Yaaqov in der Regel positiv dargestellt, schon deshalb, weil sich, wann immer es polemisch wurde, alle religiösen Gruppierungen mit Yaaqov identifizierten und die jeweils anderen zu Esaw erklärten.  Andererseits gab es auch schon im Mittelalter immer wieder sehr unkonventionelle Deutungen, die sich dezidiert von den religiösen Deutungen unterscheiden wollen.

Wir werden kurz mit der rabbinischen und mittelalterlichen Yaaqov-Esaw-Rezeption einsteigen und dann die neuere deutsche, deutsch-jüdische und israelische Literatur betrachten.

 

Im Gespräch: Prof. Dr. Hanna Liss, Professorin für Bibel und Jüdische Bibelauslegung an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, und Prof. Dr. Doron Kiesel, Wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland.

 

Der Vortrag kann auf dem YouTube-Kanal des Zentralrats der Juden in Deutschland angeschaut werden:

 

https://www.youtube.com/watch?v=yOk0ZXdAxuE