Jom Ha-Schoa



Schreiben des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland Dr. Josef Schuster zu Jom Ha-Schoa

Sehr geehrte Damen und Herren,

dieses Jahr wird weiterhin von Verzicht geprägt sein: Wegen der Corona-Pandemie werden wir, die jüdische Gemeinschaft in Deutschland, aber auch die Juden weltweit an Jom Ha-Schoa unserer Toten nicht so gedenken können, wie wir es gewohnt sind. Es wird keine Gedenkfeiern und Gedenk-G‘ttesdienste in unseren Gemeinden geben.

Dieser Verzicht schmeckt besonders bitter, da in diesem Jahr zum 75. Jahrestag der Befreiung besonders große Gedenkfeiern geplant waren, vor allem in den KZ-Gedenkstätten. Für die hochbetagten Überlebenden unter uns wären das wichtige Tage gewesen, um der Opfer zu gedenken und den Staffelstab der Erinnerung an die nächsten Generationen weiterzugeben.

Trotz des erzwungenen Verzichts sollten wir jedoch nicht verzagen. Es werden wieder normale Zeiten kommen, erste Lockerungen sind ja bereits beschlossen. Und unserer Fürsorge für die Überlebenden sollten die derzeitigen Auflagen keinen Abbruch tun. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie sind die Überlebenden wegen ihres hohen Alters und ihrer persönlichen Leidensgeschichte in besonderem Maße von Einsamkeit bedroht. Ich weiß es sehr zu schätzen, wie Sie sich in den Gemeinden derzeit gerade um die alten Menschen kümmern und sie unterstützen.

Die Erinnerung an die Schoa tragen wir ohnehin in uns. Wir gedenken der Opfer, wir vergessen sie nie – unabhängig von äußeren Umständen. Unsere Erinnerung ist lebendig und dauerhaft. So sind wir gerade an Jom Ha-Schoa in Gedanken miteinander verbunden.

Ich wünsche Ihnen und allen Mitgliedern unserer Gemeinden weiterhin guten Zusammenhalt trotz der Krise sowie natürlich vor allem Gesundheit!

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Dr. Josef Schuster     

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