Eröffnung der „Denkfabrik Schalom Aleikum“



Grußwort des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, zur Eröffnung der „Denkfabrik Schalom Aleikum“, 14. September 2022, Auditorium Friedrichsstraße, Berlin

Es ist ein guter, ein wichtiger und richtungsweisender Anlass, zu dem wir uns heute hier in diesen historischen Räumlichkeiten in der Friedrichstraße eingefunden haben.

Es ist ein besonderer Anlass für mich und für den Zentralrat der Juden in Deutschland und ich freue mich, dass wir ihn gemeinsam begehen. Mit der Denkfabrik Schalom Aleikum wird der Zentralrat analytischer. Auch den Dialog heben wir mit der Denkfabrik auf eine neue Ebene.

Die jüngste Vergangenheit und Gegenwart war und ist durch Ereignisse und Themen geprägt, die uns als Gesellschaft in besonderer Weise herausfordern, uns zu positionieren und eine klare Haltung einzunehmen.

Viele dieser Themen sind für jüdische und muslimische Gemeinden in Deutschland gleichermaßen relevant.

Als Beispiel möchte ich die Fluchtbewegungen der vergangenen Jahre anführen. Bei der Aufnahme und Eingliederung zahlreicher Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten haben jüdische und muslimische Gemeinden, Verbände und Organisationen Erhebliches geleistet. Oft eigeninitiativ und selbstorganisiert. Darin liegt ein großes Potenzial: Man denke an die Sprachkenntnisse und das kulturelle Wissen, über das die Menschen in den jeweiligen Gemeinschaften verfügen. Gleichzeitig ist dieses Potenzial wenig sichtbar in der gesellschaftlichen Debatte über Flucht und Integration.

An dieser Stelle wollen wir mit der Denkfabrik zeitnah einsteigen und bereiten eine erste Publikation zum Thema „Flucht“ aus jüdischer und muslimischer Perspektive vor.

Ein differenziertes Meinungsbild und ein Expertenaustausch jüdischer und muslimischer Perspektiven kann in meinen Augen auch beim Thema Hetze und Hate Speech einen großen Mehrwert bieten: Für Juden und Muslime, aber auch für die Gesamtgesellschaft. Denn die Erfahrungen von Hass und Hetze werden von Juden und Muslimen geteilt - wenn auch, ich betone das, in unterschiedlicher Form und mit unterschiedlichen Vorgeschichten.

Wie also kommunizieren Juden und Muslime ihre Erfahrungen und Positionen in Deutschland und wie können wir diese sichtbar machen, sodass sie, um eine wichtige wissenschaftliche Komponente ergänzt, den gesamtgesellschaftlichen Diskurs bereichern können? Was sagen Experten und Expertinnen dazu, die in der „Denkfabrik Schalom Aleikum“ zusammenkommen?

Hier setzt die „Denkfabrik Schalom Aleikum“ an. Sie will relevante Themenschwerpunkte in jüdischer und muslimischer Perspektive diskutieren und der Gesellschaft anbieten.

Sie wird als Diskussions-Plattform fungieren, die diese Stimmen, die im öffentlichen Diskurs oft noch nicht ausreichend gehört werden, bündelt und stärkt.

Die Denkfabrik fängt keineswegs bei null an. Sie erwächst, der Name lässt es bereits vermuten, aus unserem erfolgreichen jüdisch-muslimischen Dialogprojekt. Vor drei Jahren nahm das vom Zentralrat initiierte und von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, damals Frau Widmann-Mauz, heute Frau Alabali-Radovan, jüdisch-muslimische Dialogprojekt „Schalom Aleikum“ seine Arbeit auf.

Das Projekt brachte im Rahmen zahlreicher Begegnungsveranstaltungen und Bildungsformate, jüdische und muslimische zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure zusammen und vernetzte diese nachhaltig.

Es entstand vielfach und deutschlandweit ein lebendiger Austausch zwischen Jüdinnen und Juden, Musliminnen und Muslimen aller gesellschaftlichen Bereiche und jenseits politischer Funktionärsebenen.

Mein besonderer Dank richtet sich an dieser Stelle an die Integrations- und Antirassismus-Beauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Reem Alabali-Radovan und natürlich an Frau Deihimi, Leiterin des Referats „Partizipation in der Einwanderungsgesellschaft“ bei der Integrations- und Antirassismus-Beauftragten der Bundesregierung im Bundeskanzleramt. Frau Deihimi wird mit uns heute Perspektiven einer „Denkfabrik Schalom Aleikum“ diskutieren. Ihre Unterstützung ermöglichte diese drei erfolgreichen und produktiven Jahre „Schalom Aleikum“ – und sie ermöglicht diesen nächsten Schritt, mit dem wir eine große Hoffnung verbinden.

Ich bin überzeugt, dass eine fundierte Auseinandersetzung mit dem jüdisch-muslimischen Dialog in Deutschland wertvolles Wissen generieren kann, sowohl für die Politik dieses Landes, für uns als Gesellschaft und natürlich auch für Muslime und Juden hierzulande.

Ich wünsche der Denkfabrik Schalom Aleikum einen guten, erfolgreichen Start. Ihnen und uns wünsche ich nun einen schönen Abend und einen inspirierenden Austausch.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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