Was machen Juden eigentlich an Weihnachten?
15. Dezember 2017
Presseerklärung

Was machen Juden eigentlich an Weihnachten?

Beschriftung:

Diese Tage genieße ich gerade in dreifacher Hinsicht. Erstens wird im Judentum in diesem Jahr zwischen dem 12. und 20. Dezember Chanukka gefeiert. Jüdische Feste richten sich stets nach dem jüdischen Kalender, so dass ihre Daten im allgemeingültigen, gregorianischen Kalender von Jahr zu Jahr ein wenig variieren.

An Chanukka zünden wir jeden Tag eine Kerze mehr am Chanukka-Leuchter an. Kinder bekommen jeden Tag ein kleines Geschenk. Sie können sich vorstellen, dass eine Bescherung, die acht Tage lang währt, ihren ganz eigenen Reiz für Kinder hat. Wir nehmen uns an Chanukka aber auch Zeit, mit unseren Kindern oder Enkeln mit Kreiseln zu spielen. Es sind einfach schöne Tage in der Familie. Zweitens genieße ich stets die Adventszeit. Das wird Sie vielleicht überraschen. Schließlich hat Jesus in der jüdischen Religion keine Bedeutung.

Doch die schön geschmückten Schaufenster, die festlich erleuchteten Straßen und glitzernden Weihnachtsmärkte verbreiten eine schöne Stimmung, die ich ebenso genießen kann wie auch Muslime oder Menschen, die gar nicht religiös sind, sie genießen können. Und drittens genieße ich diese Zeit, weil ich mir weder den Kopf zerbrechen muss, wann wo in welchem Kreis die Familie an den Weihnachtstagen zusammenkommt, ob es dieses Jahr wieder Gans oder Fondue gibt, und Berge von Geschenken muss ich auch nicht besorgen. Kurz: Der Stress, den viele Menschen in der Vorweihnachtszeit haben, bleibt uns Juden erspart. Das gilt erst recht für die Weihnachtstage selbst. Es sind für uns die entspanntesten Tage im ganzen Jahr.

Recht häufig passiert es übrigens, dass mir jemand gesegnete Weihnachten wünscht, um dann etwas verlegen hinzuzufügen: Ach, Sie feiern ja gar nicht Weihnachten. Danach werde ich gerne gefragt, was Juden eigentlich an Weihnachten machen. Da gibt es natürlich verschiedene Gewohnheiten. Ich habe in meiner Klinikzeit regelmäßig den Nachtdienst am 24. Dezember übernommen und auch später den kassenärztlichen Notfalldienst, um die Kollegen zu entlasten, die den Weihnachtsabend verständlicherweise gerne zu Hause verbringen wollten.

Sehr gerne denke ich an das Weihnachten meiner Kindheit. Damals wurden meine Eltern und ich immer von evangelischen Nachbarn zur Bescherung eingeladen. Ich hatte meistens schon zu Chanukka Geschenke bekommen, freute mich aber natürlich über eine kleine Aufmerksamkeit für mich von unseren Nachbarn.

Die Gelassenheit, die das Weihnachtsfest für Juden mit sich bringt, wünsche ich von Herzen all jenen, die jetzt mitten in den Vorbereitungen aufs Fest stecken. Und keine Sorge: Ich nehme es niemandem übel, der mir frohe Weihnachten wünscht. Da zählt die freundliche Geste!

Autor: Dr. Josef Schuster ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Weitere Presseartikel

25.08.2026
Presseerklärung
Zentralrat der Juden und Ernst Klett Verlag kooperieren bei neuer Lehrwerksreihe
Erstes Schülerarbeitsbuch für den jüdischen Religionsunterricht in der Lehrwerksreihe „Da'at Hadorot – Lernen. Verstehen. Weitergeben.“ ab sofort erhältlich
29.07.2026
Presseerklärung
Neuer J7-Jahresbericht: 2025 war das Jahr mit den meisten tödlichen antisemitischen Angriffen in der Diaspora seit über 30 Jahren
Die Zahl der antisemitischen Vorfälle in den J7-Ländern liegt 136 Prozent über dem Niveau von 2022 – dem Jahr vor dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober. Gewalttätige Übergriffe nahmen im selben Zeitraum um 97 Prozent zu. Deutschland verzeichnet seit 2021 einen Zuwachs der antisemitischen Vor...
24.07.2026
Presseerklärung
Redebeitrag Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland zur Mahnwache in Würzburg am Freitag, 24.07.2026
Dieser Angriff führt uns vor Augen, dass das Tragen eines einfachen Pins, der Solidarität mit Israel signalisiert, als Auslöser eines derart brutalen Angriffs ausreicht, auch hier im Raum Würzburg.  Es braucht offenbar nicht mehr als ein Bekenntnis zum jüdischen Staat, um einen solchen Gewalte...
25.06.2026
Presseerklärung
Umfrage zu Israelis in Deutschland
Der Zentralrat der Juden in Deutschland führt gemeinsam mit der Israeli Community Europe (ICE) und dem American Jewish Joint Distribution Committee (JDC) eine Studie zur Lebenssituation von Israelis in Deutschland durch.
10.06.2026
Presseerklärung
Leo-Baeck-Preis 2026 geht an den Kabarettisten Dieter Nuhr
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat in diesem Jahr seine höchste Auszeichnung, den Leo-Baeck-Preis, an den Kabarettisten, Autoren und Moderator Dieter Nuhr verliehen.
21.05.2026
Presseerklärung
Anstoß gegen Antisemitismus im Fußball: Zentralrat der Juden startet neues Projekt im Sport
Anlässlich des DFB-Pokalfinales, einem der größten Ereignisse im deutschen Fußball, startet der Zentralrat der Juden in Deutschland am Wochenende sein neues Projekt Anstoß gegen Antisemitismus im Fußball.
20.05.2026
Presseerklärung
„Ein wichtiges Zeichen der Verbundenheit“: Zentralrat der Juden in Deutschland und die Evangelische Kirche in Deutschland intensivieren den Austausch
Am Mittwoch, 20. Mai 2026 kamen das Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland um den Präsident Dr. Josef Schuster und eine Delegation des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), darunter die EKD-Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs, in Berlin zu einem Austausch der Relig...
15.05.2026
Presseerklärung
Jugendzentrum jujuba jubelt bei der Jewrovision 2026 in Stuttgart
Das Jugendzentrum JuJuBa des Landesverbands Baden hat die Jewrovision 2026 gewonnen. In einem packenden Finale setzte sich die Gruppe am Freitagnachmittag in der Messe Stuttgart gegen zwölf weitere jüdische Jugendzentren aus ganz Deutschland durch.
11.05.2026
Presseerklärung
Leo-Baeck-Preis 2026
Der Zentralrat der Juden verleiht seine höchste Auszeichnung, den Leo-Baeck-Preis, an den Kabarettisten, Autoren und Moderator Dieter Nuhr.
01.05.2026
Presseerklärung
Lagebild der Jüdischen Gemeinden 2026: Dauerhafte Bedrohung drängt jüdisches Leben aus der Öffentlichkeit
Nach 2023 und 2024 hat der Zentralrat der Juden in Deutschland am 1. Mai 2026 zum dritten Mal ein Lagebild der Jüdischen Gemeinden in Deutschland herausgegeben. Das Lagebild basiert auf der Befragung der Führungspersönlichkeiten von 102 Jüdischen Gemeinden und Landesverbänden und hat damit einen ...
01.04.2026
Presseerklärung
Pessach-Artikel Jüdische Allgemeine Dr. Schuster
Pessach ist das Fest der Freiheit. Seit Jahrtausenden geht es für die jüdische Gemeinschaft beim Pessach-Fest darum, die Erinnerung an die Freiheit an die nächste Generation weiterzugeben und die ununterbrochene Kette der jüdischen Tradition zu erhalten.
24.03.2026
Presseerklärung
Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour und Dr. Josef Schuster im Gespräch: „Es gibt eine sehr lange Geschichte der Freundschaft zwischen Israel und dem Iran“
Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour und Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster im Gespräch über die Folgen des Iran-Kriegs, Maßnahmen gegen Antisemitismus und persisch-jüdische Freundschaft.
17.03.2026
Presseerklärung
Zentralratspräsident Dr. Schuster zum Antrag der Linkspartei in Niedersachsen
Die Linkspartei hat den ‚real existierenden Zionismus‘ zu ihrem Feindbild erklärt.
03.03.2026
Presseerklärung
Zentralrat der Juden in Deutschland: „Das Ende des Mullah-Regimes liegt in unserem nationalen Interesse“
Der Zentralrat der Juden in Deutschland äußert sich zur aktuellen Lage rund um den Krieg zwischen den USA und Israel und dem Mullah-Regime in Teheran. Zur Bedeutung für Deutschland und die Jüdische Gemeinschaft äußert sich Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats.
24.02.2026
Presseerklärung
„Mit eigener Stimme“: Ausstellung zu 75 Jahren Zentralrat der Juden in Deutschland wurde in Braunschweig eröffnet
Am Sonntag, 22. Februar wurde in Braunschweig die Ausstellung „Mit eigener Stimme. 75 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland“ eröffnet. Die Ausstellung des städtischen Museums Braunschweig ist deutschlandweit die einzige ihrer Art. Sie beleuchtet das Wirken des Zentralrats der Juden seit seine...
19.02.2026
Presseerklärung
J7 Task Force Statement on Francesca Albanese's Latest Antisemitic Remarks and Call for UN Human Rights Council Reforms
Following the latest antisemitic remarks by UN Special Envoy Francesca Albanese, the J7 Large Jewish Communities Task Force on Antisemitism—representing the Jewish communities of Argentina, Australia, Canada, France, Germany, the United Kingdom, and the United States— express its support to the c...
18.02.2026
Presseerklärung
„Sehr bedeutsamer Schritt“: Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Nathan Peter Levinson Stiftung beabsichtigen Kooperation
Am Mittwoch, 18. Februar kam es im Senatssaal der Universität Potsdam zu einem denkwürdigen Ereignis.
02.02.2026
Presseerklärung
„Ihr Erbe lebt weiter“ – zum Tod von Rita Süssmuth
Rita Süssmuth hat das politische Klima unserer Bundesrepublik über Jahrzehnte geprägt: Als Bundesministerin, als Bundestagspräsidentin und von jeglichen Ämtern gelöst war sie bis zuletzt eine engagierte Mahnerin für Demokratie und den Erhalt der offenen Gesellschaft.
Nach oben scrollen