#StopRepeatingStories
25. Januar 2024
Presseerklärung

#StopRepeatingStories

Zentralrat der Juden in Deutschland fordert mit neuer Kampagne zum Handeln gegen Antisemitismus auf

Der Zentralrat der Juden in Deutschland startet gemeinsam mit der Kommunikationsagentur Serviceplan Berlin eine Kampagne gegen Antisemitismus.  Unter dem Leitsatz „#StopRepeatingStories“ werden Berichte antisemitischer Vorfälle von Jüdinnen und Juden aus Deutschland erzählt, die wie Zeitzeugenberichte aus dem „Dritten Reich” erscheinen, in der Realität aber aus unserer heutigen Zeit stammen. Die Kampagne zeigt so eindrucksvoll, dass Antisemitismus kein Problem der Vergangenheit ist, sondern im Hier und Heute passiert – täglich. Der offene Judenhass von Menschen in Deutschland erreichte nach dem brutalen Massaker der Hamas in Israel vom 7. Oktober 2023 eine neue Dimension. Aber auch schon in den vergangenen Jahren war ein Anstieg antisemitischer Vorfälle aus allen Richtungen sowie aus der Mitte der Gesellschaft spürbar geworden. Die Kampagne soll über das Ausmaß antisemitischer Vorfälle aufklären und zum Handeln motivieren.

Antisemitismus ist eines der drängendsten Themen unserer Zeit wie Zahlen des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e.V. (RIAS) veranschaulichen. „Unsere Auswertungen zeigen, dass die Zahl der antisemitischen Vorfälle zwischen dem 7. Oktober und 9. November 2023 im Vergleich zu 2022 um das Vierfache gestiegen ist und sich damit auf einem Höchststand befindet. Diese Vorfälle ereignen sich in allen Lebensbereichen, sie reichen von Schmierereien, über antisemitische Beleidigungen im öffentlichen Raum bis hin zu Markierungen im Wohnumfeld von Jüdinnen und Juden. Auch kam es zu Angriffen und Fällen extremer Gewalt,“ berichtet Benjamin Steinitz, Geschäftsführer des Bundesverbands RIAS.

Kampagne macht gegenwärtige antisemitische Vorfälle erlebbar

Im Zentrum der Kampagne stehen Berichte von Jüdinnen und Juden aus Deutschland, die persönlich erlebte antisemitische Vorfälle aus ihrem Alltag wiedergeben. Zum Schutz ihrer Identität werden diese Erzählungen von Schauspielerinnen und Schauspielern in kurzen Filmen nacherzählt, Namen sowie weitere Details wurden abgeändert, sodass die realen Personen hinter den Geschichten nicht identifiziert werden können. Zum Launch der Kampagne wird der erste Film mit der Protagonistin Lea veröffentlicht, weitere Filme folgen. „#StopRepeatingStories“ veranschaulicht das Ausmaß und die diversen Erscheinungsformen von Antisemitismus.

„Antisemitismus ist in allen Bereichen unserer Gesellschaft spürbar. Häufig werden Jüdinnen und Juden, die Antisemitismus erfahren aber nicht ernst genommen; ihre Erfahrungen werden relativiert und zum Teil heruntergespielt. Wir wollen mit dieser Kampagne deutlich machen, dass Antisemitismus real ist, dass er Jüdinnen und Juden in ihrem Alltag trifft. Ich erhoffe mir dadurch mehr Empathie der Gesamtgesellschaft für den Antisemitismus der Gegenwart, gerade in Zeiten des öffentlichen Gedenkens an die Schoa,“ bekräftigt Dr.Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

KI ermöglicht neue Dimension der Emotionalisierung

Mittels Künstlicher Intelligenz wurde das Aussehen der Protagonistin Lea im ersten Film gealtert. Am Anfang des Films steht eine ältere Frau, die gepaart mit der Erzählung den Eindruck erweckt, es handle sich um eine Zeitzeugin der Schoa. Im weiteren Verlauf des Films verjüngt sich die Darstellung der Frau nach und nach. Details der Erzählung offenbaren, dass es sich um einen Bericht aus der heutigen Zeit handelt.

Michael Johne, Geschäftsleiter Kreation betont „Die Schoa erschien uns lange als der dunkelste Teil unserer Vergangenheit. Der Film mahnt, dass der Antisemitismus auch heute wieder Jüdinnen und Juden bedroht. Und zwar jetzt und hier.“

Kampagne zeigt: Jede und jeder kann unterstützen

Als zentraler Anlaufpunkt der Kampagne dient die Landingpage stop-repeating-stories.org, auf der sich die Kampagnenfilme sowie umfangreiche Informationen zum Thema Antisemitismus finden. Zentral für die Botschaft der Kampagne sind die hier zusammengetragenen Handlungsempfehlungen dazu, wie Menschen ihre jüdischen Mitmenschen in Situationen der Diskriminierung unterstützen und zu mehr Toleranz in der Gesellschaft beitragen können.

„#StopRepeatingStories ist für uns eine Herzenskampagne, die sich gegen Antisemitismus positioniert und emotional zeigt, dass Antisemitismus weiterhin ein großes Problem in Deutschland ist. Wir konnten mithilfe der gewählten Inszenierung und Künstlicher Intelligenz genau die Wirkung erzielen, die wir uns davon erhofften, nämlich menschliche Emotionen noch wirksamer anzusprechen und aufzuzeigen, dass wir nicht nur an die Vergangenheit denken sollten, sondern vor allem für mehr Toleranz in der Gegenwart sorgen müssen, denn nie wieder ist jetzt und jeden Tag, “ sagt Jeannette Bohné, Kreativchefin bei Serviceplan Berlin.

Die Kampagne wurde fachlich beraten von der Amadeu Antonio Stiftung, dem Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e.V. (RIAS), dem Projekt ToleranzRäume sowie der Initiative „Gesicht zeigen!“. Betroffene von antisemitischen Vorfällen können sich an die Informationsstelle von RIAS wenden.

Berlin, 25. Januar 2024 / 15. Schwat 5784

Factsheet – Antisemitismus in Deutschland

Weitere Presseartikel

25.08.2026
Presseerklärung
Zentralrat der Juden und Ernst Klett Verlag kooperieren bei neuer Lehrwerksreihe
Erstes Schülerarbeitsbuch für den jüdischen Religionsunterricht in der Lehrwerksreihe „Da'at Hadorot – Lernen. Verstehen. Weitergeben.“ ab sofort erhältlich
29.07.2026
Presseerklärung
Neuer J7-Jahresbericht: 2025 war das Jahr mit den meisten tödlichen antisemitischen Angriffen in der Diaspora seit über 30 Jahren
Die Zahl der antisemitischen Vorfälle in den J7-Ländern liegt 136 Prozent über dem Niveau von 2022 – dem Jahr vor dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober. Gewalttätige Übergriffe nahmen im selben Zeitraum um 97 Prozent zu. Deutschland verzeichnet seit 2021 einen Zuwachs der antisemitischen Vor...
24.07.2026
Presseerklärung
Redebeitrag Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland zur Mahnwache in Würzburg am Freitag, 24.07.2026
Dieser Angriff führt uns vor Augen, dass das Tragen eines einfachen Pins, der Solidarität mit Israel signalisiert, als Auslöser eines derart brutalen Angriffs ausreicht, auch hier im Raum Würzburg.  Es braucht offenbar nicht mehr als ein Bekenntnis zum jüdischen Staat, um einen solchen Gewalte...
25.06.2026
Presseerklärung
Umfrage zu Israelis in Deutschland
Der Zentralrat der Juden in Deutschland führt gemeinsam mit der Israeli Community Europe (ICE) und dem American Jewish Joint Distribution Committee (JDC) eine Studie zur Lebenssituation von Israelis in Deutschland durch.
10.06.2026
Presseerklärung
Leo-Baeck-Preis 2026 geht an den Kabarettisten Dieter Nuhr
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat in diesem Jahr seine höchste Auszeichnung, den Leo-Baeck-Preis, an den Kabarettisten, Autoren und Moderator Dieter Nuhr verliehen.
21.05.2026
Presseerklärung
Anstoß gegen Antisemitismus im Fußball: Zentralrat der Juden startet neues Projekt im Sport
Anlässlich des DFB-Pokalfinales, einem der größten Ereignisse im deutschen Fußball, startet der Zentralrat der Juden in Deutschland am Wochenende sein neues Projekt Anstoß gegen Antisemitismus im Fußball.
20.05.2026
Presseerklärung
„Ein wichtiges Zeichen der Verbundenheit“: Zentralrat der Juden in Deutschland und die Evangelische Kirche in Deutschland intensivieren den Austausch
Am Mittwoch, 20. Mai 2026 kamen das Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland um den Präsident Dr. Josef Schuster und eine Delegation des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), darunter die EKD-Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs, in Berlin zu einem Austausch der Relig...
15.05.2026
Presseerklärung
Jugendzentrum jujuba jubelt bei der Jewrovision 2026 in Stuttgart
Das Jugendzentrum JuJuBa des Landesverbands Baden hat die Jewrovision 2026 gewonnen. In einem packenden Finale setzte sich die Gruppe am Freitagnachmittag in der Messe Stuttgart gegen zwölf weitere jüdische Jugendzentren aus ganz Deutschland durch.
11.05.2026
Presseerklärung
Leo-Baeck-Preis 2026
Der Zentralrat der Juden verleiht seine höchste Auszeichnung, den Leo-Baeck-Preis, an den Kabarettisten, Autoren und Moderator Dieter Nuhr.
01.05.2026
Presseerklärung
Lagebild der Jüdischen Gemeinden 2026: Dauerhafte Bedrohung drängt jüdisches Leben aus der Öffentlichkeit
Nach 2023 und 2024 hat der Zentralrat der Juden in Deutschland am 1. Mai 2026 zum dritten Mal ein Lagebild der Jüdischen Gemeinden in Deutschland herausgegeben. Das Lagebild basiert auf der Befragung der Führungspersönlichkeiten von 102 Jüdischen Gemeinden und Landesverbänden und hat damit einen ...
01.04.2026
Presseerklärung
Pessach-Artikel Jüdische Allgemeine Dr. Schuster
Pessach ist das Fest der Freiheit. Seit Jahrtausenden geht es für die jüdische Gemeinschaft beim Pessach-Fest darum, die Erinnerung an die Freiheit an die nächste Generation weiterzugeben und die ununterbrochene Kette der jüdischen Tradition zu erhalten.
24.03.2026
Presseerklärung
Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour und Dr. Josef Schuster im Gespräch: „Es gibt eine sehr lange Geschichte der Freundschaft zwischen Israel und dem Iran“
Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour und Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster im Gespräch über die Folgen des Iran-Kriegs, Maßnahmen gegen Antisemitismus und persisch-jüdische Freundschaft.
17.03.2026
Presseerklärung
Zentralratspräsident Dr. Schuster zum Antrag der Linkspartei in Niedersachsen
Die Linkspartei hat den ‚real existierenden Zionismus‘ zu ihrem Feindbild erklärt.
03.03.2026
Presseerklärung
Zentralrat der Juden in Deutschland: „Das Ende des Mullah-Regimes liegt in unserem nationalen Interesse“
Der Zentralrat der Juden in Deutschland äußert sich zur aktuellen Lage rund um den Krieg zwischen den USA und Israel und dem Mullah-Regime in Teheran. Zur Bedeutung für Deutschland und die Jüdische Gemeinschaft äußert sich Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats.
24.02.2026
Presseerklärung
„Mit eigener Stimme“: Ausstellung zu 75 Jahren Zentralrat der Juden in Deutschland wurde in Braunschweig eröffnet
Am Sonntag, 22. Februar wurde in Braunschweig die Ausstellung „Mit eigener Stimme. 75 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland“ eröffnet. Die Ausstellung des städtischen Museums Braunschweig ist deutschlandweit die einzige ihrer Art. Sie beleuchtet das Wirken des Zentralrats der Juden seit seine...
19.02.2026
Presseerklärung
J7 Task Force Statement on Francesca Albanese's Latest Antisemitic Remarks and Call for UN Human Rights Council Reforms
Following the latest antisemitic remarks by UN Special Envoy Francesca Albanese, the J7 Large Jewish Communities Task Force on Antisemitism—representing the Jewish communities of Argentina, Australia, Canada, France, Germany, the United Kingdom, and the United States— express its support to the c...
18.02.2026
Presseerklärung
„Sehr bedeutsamer Schritt“: Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Nathan Peter Levinson Stiftung beabsichtigen Kooperation
Am Mittwoch, 18. Februar kam es im Senatssaal der Universität Potsdam zu einem denkwürdigen Ereignis.
02.02.2026
Presseerklärung
„Ihr Erbe lebt weiter“ – zum Tod von Rita Süssmuth
Rita Süssmuth hat das politische Klima unserer Bundesrepublik über Jahrzehnte geprägt: Als Bundesministerin, als Bundestagspräsidentin und von jeglichen Ämtern gelöst war sie bis zuletzt eine engagierte Mahnerin für Demokratie und den Erhalt der offenen Gesellschaft.
Nach oben scrollen