REDEBEITRAG VALERIY BUNIMOV
12. Mai 2011
Rede

REDEBEITRAG VALERIY BUNIMOV

Anrede,

heute ist ein bedeutender Tag für alle demokratischen Kräfte im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern: der Paul-Spiegel-Preis wird heute an die mutige Familie Lohmeyer verliehen.

Birgit und Horst Lohmeyer wohnen umringt von Menschen, die menschenverachtenden Ideen anhängen, Ideen der Nazis, die 1945 für ihr menschenunwürdiges Verhalten von einem internationalen Tribunal verurteilt wurden. Niemand konnte sich eigentlich vorstellen, dass diese Ideologie nach Jahrzehnten wieder zurückkehren würde…

In unseren jüdischen Gemeinden in Schwerin, Wismar und Rostock gibt es 1.650 Mitglieder. Viele von ihnen konnten bereits die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Unsere jüngeren Mitglieder lernen in Universitäten oder haben ein erfülltes Berufsleben. Für alle ist Deutschland mittlerweile Heimat geworden.

Seinerzeit ist uns der Entschluss, nach Deutschland auszuwandern, nicht leicht gefallen. Wir taten es, um unseren Kindern und Enkelkindern ein Leben in einem freien, demokratischen Land zu ermöglichen, in dem Antisemitismus, Rassismus und Verachtung von Menschen anderen Glaubens oder anderer Hautfarbe keinen Platz haben würden.

Allerdings fragen sich unsere Gemeindemitglieder, vor allem diejenigen, die im II. Weltkrieg in Ghettos oder Lagern überlebten, wie es in unserer Zeit sein kann, dass jüdische Friedhöfe geschändet werden und eine Partei wie die NPD in den Landtag einziehen kann und sie zudem durch die Parteienfinanzierung in der Verbreitung ihrer Propaganda und Verleumdungen letztlich auch noch vom Staat finanziert wird. Reichen Gerichtsurteile gegen einzelne Vertreter dieser Partei wirklich aus?

Ich habe auf diese Fragen keine Antwort. Aber unsere jüdische Gemeinschaft hier in Mecklenburg-Vorpommern ist dennoch davon überzeugt, dass es im heutigen Deutschland kein Zurück zur schrecklichen Vergangenheit geben wird. Daher unterstreicht die heutige Auszeichnung vor allem, welch immense Bedeutung es hat, sich so zu verhalten, wie es Familie Lohmeyer eben tut, dass sie sich eben nicht einschüchtern oder vertreiben lässt. Und die Auszeichnung mit dem Paul-Spiegel-Preis zeigt außerdem, wie hoch der Beitrag der Lohmeyers für den Erhalt unserer Demokratie durch den Zentralrat der Juden in Deutschland eingeschätzt wird.

Anrede,

heute ist ein bedeutender Tag für alle demokratischen Kräfte im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern: der Paul-Spiegel-Preis wird heute an die mutige Familie Lohmeyer verliehen.

Birgit und Horst Lohmeyer wohnen umringt von Menschen, die menschenverachtenden Ideen anhängen, Ideen der Nazis, die 1945 für ihr menschenunwürdiges Verhalten von einem internationalen Tribunal verurteilt wurden. Niemand konnte sich eigentlich vorstellen, dass diese Ideologie nach Jahrzehnten wieder zurückkehren würde…

In unseren jüdischen Gemeinden in Schwerin, Wismar und Rostock gibt es 1.650 Mitglieder. Viele von ihnen konnten bereits die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Unsere jüngeren Mitglieder lernen in Universitäten oder haben ein erfülltes Berufsleben. Für alle ist Deutschland mittlerweile Heimat geworden.

Seinerzeit ist uns der Entschluss, nach Deutschland auszuwandern, nicht leicht gefallen. Wir taten es, um unseren Kindern und Enkelkindern ein Leben in einem freien, demokratischen Land zu ermöglichen, in dem Antisemitismus, Rassismus und Verachtung von Menschen anderen Glaubens oder anderer Hautfarbe keinen Platz haben würden.

Allerdings fragen sich unsere Gemeindemitglieder, vor allem diejenigen, die im II. Weltkrieg in Ghettos oder Lagern überlebten, wie es in unserer Zeit sein kann, dass jüdische Friedhöfe geschändet werden und eine Partei wie die NPD in den Landtag einziehen kann und sie zudem durch die Parteienfinanzierung in der Verbreitung ihrer Propaganda und Verleumdungen letztlich auch noch vom Staat finanziert wird. Reichen Gerichtsurteile gegen einzelne Vertreter dieser Partei wirklich aus?

Ich habe auf diese Fragen keine Antwort. Aber unsere jüdische Gemeinschaft hier in Mecklenburg-Vorpommern ist dennoch davon überzeugt, dass es im heutigen Deutschland kein Zurück zur schrecklichen Vergangenheit geben wird. Daher unterstreicht die heutige Auszeichnung vor allem, welch immense Bedeutung es hat, sich so zu verhalten, wie es Familie Lohmeyer eben tut, dass sie sich eben nicht einschüchtern oder vertreiben lässt. Und die Auszeichnung mit dem Paul-Spiegel-Preis zeigt außerdem, wie hoch der Beitrag der Lohmeyers für den Erhalt unserer Demokratie durch den Zentralrat der Juden in Deutschland eingeschätzt wird.

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