Ratsversammlung 2025: Zentralrat der Juden kommt in Frankfurt am Main zusammen
90 Delegierte aus den 23 Landesverbänden und Groß-Gemeinden sind am 30. November zur Ratsversammlung des Zentralrats der Juden in Deutschland in Frankfurt am Main zusammengekommen. Im Mittelpunkt des jährlichen Treffens stand auch in diesem Jahr die Arbeit und die Lage der über 100 Jüdischen Gemeinden in Deutschland. Die Situation für die Gemeinden bleibt weiterhin angespannt, antisemitische Vorfälle und Straftaten verharren auf ihrem im Vergleich zu 2023 stark erhöhten Niveau.
Ehrengast der Ratsversammlung war der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Wolfram Weimer. Zudem wandte sich der Botschafter des Staates Israel in Deutschland, S.E. Ron Prosor, mit einem Grußwort an die Teilnehmer.
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster, erklärte in seiner Rede: „Über zwei Jahre lang hat sich der Zentralrat der Juden gemeinsam mit seinen Gemeinden und vielen weiteren engagierten Partnern eingesetzt, um die Erinnerung an die Geiseln der Hamas wachzuhalten und für ihre Rückkehr zu kämpfen. Wir haben mit diesem Einsatz gemeinsam gezeigt, was ‚Am Israel Chai‘ bedeutet! Von einer Rückkehr in die Normalität sind wir trotz ihrer Rückkehr und des Waffenstillstands in Gaza weit entfernt. Der nach dem 7. Oktober 2023 explosionsartig angewachsene Antisemitismus stellt unverändert eine akute Bedrohung für jüdisches Leben in Deutschland dar.“
Staatsminister Wolfram Weimer hob in seinem Beitrag die neue Gedenkstättenkonzeption und den Start der Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut am 1. Dezember als zentrale Projekte hervor, in die der Zentralrat eng involviert war. Er bezeichnete diese Arbeit der Regierung als klares „Stoppschild gegen Relativierung und Verharmlosung.“ Darüber hinaus unterstrich er die klare Haltung im Kampf für jüdisches Leben: „Der Bundesregierung und mir persönlich ist es nicht nur Pflicht, sondern tiefstes Bedürfnis, heutiges jüdisches Leben zu stärken und zu schützen.“
Der Botschafter des Staates Israel S.E. Ron Prosor erinnerte in seinem Grußwort an den Meilenstein von 60 Jahren diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Er mahnte angesichts der aktuellen Herausforderungen: „Schon die Sowjets haben ‚Zionisten‘ gesagt und Juden gemeint, heute beobachten wir dasselbe Muster wieder. Wenn wir gegen dieses Muster, den Antisemitismus als Antizionismus zu tarnen, heute nicht vorgehen, werden wir morgen die bitteren Konsequenzen spüren.“
Die Ratsversammlung ist das höchste Entscheidungsgremium des Zentralrats der Juden in Deutschland und tagt einmal im Jahr. Sie verabschiedet den Haushalt und überwacht die Arbeit des Präsidiums.
Frankfurt am Main, 30. November 2025 / 10. Kislew 5786
