Presseerklärung zum neuen Projekt “Zusammen1” gegen Antisemitismus im Sport
19. April 2021
Presseerklärung

Presseerklärung zum neuen Projekt “Zusammen1” gegen Antisemitismus im Sport

Beschriftung:

Start des Präventionsprojekts „Zusammen1 – Für das, was uns verbindet“ – Gegen Antisemitismus im Sport

 

Kein Platz für Antisemitismus im Sport! 39 % aller MAKKABI Sportler:innen waren mindestens einmal von einem antisemitischen Vorfall im Sport betroffen. 47 % nahmen in den vergangenen 5 Jahren einen Anstieg an antisemitischen Vorfällen im Sport wahr. 51 % haben schon mindestens einmal einen antisemitischen Vorfall gegen andere MAKKABI- Mitglieder mitbekommen.

Heute wurde das Präventionsprojekt „Zusammen1 – Für das, was uns verbindet“ von MAKKABI Deutschland e.V.* in Kooperation mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf im Rahmen einer digitalen Projektvorstellung vorgestellt. Teil des Projektes ist auch eine repräsentative Studie, die sich mit Antisemitismuserfahrungen jüdischer Sportvereine und Sportler:innen in Deutschland auseinandergesetzt hat. Die daraus gewonnenen, teils erschreckenden Erkenntnisse, sind Grund und Grundlage für das heute gestartete Projekt Zusammen1.

Zusammen1 ist ein zivilgesellschaftliches Modellprojekt im Rahmen des Förderprogramms „Demokratie Leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Erklärtes Ziel des Projekts ist es, den organisierten Sport nachhaltig für Antisemitismus zu sensibilisieren und mit Lösungsvorschlägen zu stärken. Antisemitismus offenbart sichinsbesondere im „Brennglas Sport“ immer wieder in verbaler, visueller oder physischer Diskriminierung. Insbesondere im Kontext des Fußballs werden antisemitische Verhaltensweisen teils widerspruchslos geduldet, gar nicht erst erkannt oder nicht an die vorhandenen Meldestellen übermittelt. Zusammen1 stärkt alle Akteur:innen des organisierten Sports im Umgang mit Antisemitismus und anderen Diskriminierungsformen, zeigt Handlungsstrategien auf und entwickelt bedarfsgerechte pädagogische Maßnahmen.

Webseite: www.zusammen1.de. Die Studie „ZWISCHEN AKZEPTANZ UND ANFEINDUNG -Antisemitismuserfahrungen jüdischer Sportvereine in Deutschland” finden Sie unter: https://zusammen1.de/wp-content/uploads/2021/04/Zwischen-Akzeptanz-und-Anfeindung.pdf

Alon Meyer, Präsident von MAKKABI Deutschland, betonte, dass „es allerhöchste Zeit ist, die Chancen des Sports als Brückenbauer und Wertevermittler zu erkennen und vor allem zu nutzen. Wir haben daher unsere Expertise im Zusammen1-Projekt weiterentwickelt, um auf allen Ebenen des organisierten Fußballs pädagogische Präventionskonzepte zu etablieren. Darüber hinaus schaffen wir eine Anlaufstelle für Fragen und Unterstützungsangebote und werden somit jeglicher Form der Ausgrenzung auf deutschen Fußballplätzen pädagogisch und wissenschaftlich fundiert entgegenwirken.“

Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, ergänzte: „Bei nicht wenigen Sportlern ist es schon zur Gewohnheit geworden, das Wort Jude als Schimpfwort zu verwenden. Das dürfen wir nicht hinnehmen. Nicht nur Technik und Kondition müssen im Sport trainiert werden, sondern auch Respekt und Toleranz. Das neue Projekt ist nötiger denn je.“

Günter Distelrath, Vizepräsident für Qualifizierung und Integration Deutscher Fußball-Bund, kommentierte: „Beim Thema Antisemitismus darf es auch im Fußball keinen Spielraum geben. Wir müssen uns nicht nur konsequent um jeden sichtbaren Fall kümmern, sondern auch die Dunkelziffer beleuchten. Das Projekt Zusammen1 leistet hier einen wichtigen Beitrag und setzt ganz praktisch und präventiv im Alltag der Sportler:innen an. Wachsam bleiben, Bewusstsein schärfen, Engagement gegen Antisemitismus stärken, all das unterstützen wir aus voller Überzeugung im Projekt Zusammen1 von MAKKABI Deutschland.“

Die Leiterin der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland, Sabena Donath, verwies dabei auf die Umfrageergebnisse der Studie „Zwischen Akzeptanz und Anfeindung – Antisemitismuserfahrungen jüdischer Sportvereine in Deutschland“, die das fünfköpfige Zusammen1-Team im Frühjahr 2021 erstellt hat. Donath: „Die Studie macht das Ausmaß deutlich, wie sehr Antisemitismus prägend für Mitglieder jüdischer Sportvereine ist. Es ist längst an der Zeit, dass auch im organisierten Sport jüdische Perspektiven auf Antisemitismus in Deutschland wahrgenommen werden. Zusammen1 schließt nun endlich diese Leerstelle.“

Zusammen1-Projektleiter Luis Engelhardt fügte hinzu: „Die Ergebnisse unserer Studie sind Ansporn, noch deutlicher und entschiedener gegen Antisemitismus auf und neben dem Spielfeld vorzugehen. Dabei wollen und müssen wir alle Akteur:innen des organisierten Sports mit auf die Reise nehmen, durch ein Multiplikationssystem auch in der Breite so viele Menschen wie möglich für die gute Sache gewinnen und Allianzen schmieden.”

Noam Petri, Kapitän der U18-Fußballmannschaft bei Makkabi Frankfurt, hat bereits selbst Antisemitismus auf und neben dem Fußballplatz erfahren müssen: „Seit meinem dritten Lebensjahr spiele ich bei Makkabi Frankfurt Fußball. Im Alter von 10 Jahren bin ich das erste Mal auf einem Fußballplatz antisemitisch beleidigt worden. Heute bin ich 17 Jahre alt und stelle fest, dass es sich seither nicht viel verbessert hat. Antisemitische Äußerungen und körperliche Angriffe werden noch immer kaum bestraft. Deshalb freue ich mich, dass „Zusammen1“ jetzt das Problem anpackt.“

*Über MAKKABI Deutschland: MAKKABI Deutschland e.V. ist der einzige jüdische Turn- und Sportverband in Deutschland und Teil der weltweiten Sportbewegung Maccabi. MAKKABI Deutschland ist Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), in der European Maccabi Confederation (EMC) und der Maccabi World Union (MWU). Mit über 5.500 Mitgliedern und knapp 40 Ortsvereinen in ganz Deutschland bieten die einzelnen Vereine eine Vielzahl von Sport- und Spielarten an. Die Ortsvereine sind für Sportler:innen jeder Konfession und Nationalität geöffnet. Eine der Hauptaufgaben von MAKKABI Deutschland ist die Förderung der jüdisch-deutschen Nationalmannschaft in mehr als 26 Disziplinen.

 

 

 

Frankfurt am Main, 19.04.2021

Weitere Presseartikel

01.05.2026
Presseerklärung
Lagebild der Jüdischen Gemeinden 2026: Dauerhafte Bedrohung drängt jüdisches Leben aus der Öffentlichkeit
Nach 2023 und 2024 hat der Zentralrat der Juden in Deutschland am 1. Mai 2026 zum dritten Mal ein Lagebild der Jüdischen Gemeinden in Deutschland herausgegeben. Das Lagebild basiert auf der Befragung der Führungspersönlichkeiten von 102 Jüdischen Gemeinden und Landesverbänden und hat damit einen ...
01.04.2026
Presseerklärung
Pessach-Artikel Jüdische Allgemeine Dr. Schuster
Pessach ist das Fest der Freiheit. Seit Jahrtausenden geht es für die jüdische Gemeinschaft beim Pessach-Fest darum, die Erinnerung an die Freiheit an die nächste Generation weiterzugeben und die ununterbrochene Kette der jüdischen Tradition zu erhalten.
24.03.2026
Presseerklärung
Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour und Dr. Josef Schuster im Gespräch: „Es gibt eine sehr lange Geschichte der Freundschaft zwischen Israel und dem Iran“
Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour und Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster im Gespräch über die Folgen des Iran-Kriegs, Maßnahmen gegen Antisemitismus und persisch-jüdische Freundschaft.
17.03.2026
Presseerklärung
Zentralratspräsident Dr. Schuster zum Antrag der Linkspartei in Niedersachsen
Die Linkspartei hat den ‚real existierenden Zionismus‘ zu ihrem Feindbild erklärt.
03.03.2026
Presseerklärung
Zentralrat der Juden in Deutschland: „Das Ende des Mullah-Regimes liegt in unserem nationalen Interesse“
Der Zentralrat der Juden in Deutschland äußert sich zur aktuellen Lage rund um den Krieg zwischen den USA und Israel und dem Mullah-Regime in Teheran. Zur Bedeutung für Deutschland und die Jüdische Gemeinschaft äußert sich Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats.
24.02.2026
Presseerklärung
„Mit eigener Stimme“: Ausstellung zu 75 Jahren Zentralrat der Juden in Deutschland wurde in Braunschweig eröffnet
Am Sonntag, 22. Februar wurde in Braunschweig die Ausstellung „Mit eigener Stimme. 75 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland“ eröffnet. Die Ausstellung des städtischen Museums Braunschweig ist deutschlandweit die einzige ihrer Art. Sie beleuchtet das Wirken des Zentralrats der Juden seit seine...
19.02.2026
Presseerklärung
J7 Task Force Statement on Francesca Albanese's Latest Antisemitic Remarks and Call for UN Human Rights Council Reforms
Following the latest antisemitic remarks by UN Special Envoy Francesca Albanese, the J7 Large Jewish Communities Task Force on Antisemitism—representing the Jewish communities of Argentina, Australia, Canada, France, Germany, the United Kingdom, and the United States— express its support to the c...
18.02.2026
Presseerklärung
„Sehr bedeutsamer Schritt“: Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Nathan Peter Levinson Stiftung beabsichtigen Kooperation
Am Mittwoch, 18. Februar kam es im Senatssaal der Universität Potsdam zu einem denkwürdigen Ereignis.
02.02.2026
Presseerklärung
„Ihr Erbe lebt weiter“ – zum Tod von Rita Süssmuth
Rita Süssmuth hat das politische Klima unserer Bundesrepublik über Jahrzehnte geprägt: Als Bundesministerin, als Bundestagspräsidentin und von jeglichen Ämtern gelöst war sie bis zuletzt eine engagierte Mahnerin für Demokratie und den Erhalt der offenen Gesellschaft.
27.01.2026
Presseerklärung
Gastbeitrag von Dr. Josef Schuster: Was bedeutet es noch, wenn wir als Gesellschaft sagen, „wir erinnern uns“? 
Am 27. Januar gedenken wir als Gesellschaft den Opfern des Nationalsozialismus. Wir gedenken sechs Millionen ermordeten Juden, einer halben Million Sinti und Roma, den Menschen mit Behinderung, Kranken, Homosexuellen, den Menschen am Rande der Gesellschaft, Zeugen Jehovas, Zwangsarbeitern und den...
21.12.2025
Presseerklärung
Interview mit Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland anlässlich des Attentats von Sydney
Der Antisemitismus ist in Deutschland seit dem 7. Oktober 2023 explosionsartig angestiegen. Alle Zahlen deuten darauf hin, dass wir in diesem Jahr eine Verstetigung auf einem hohen – einem viel zu hohen – Niveau erleben.
19.12.2025
Presseerklärung
Zentralrat der Juden präsentiert neues digitales Lerntool gegen Antisemitismus
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat in Kooperation mit der US-amerikanischen Anti-Defamation League (ADL) das neue digitale Lerntool „sich be-kennen* (*Jiddisch: sich kennenlernen)“ veröffentlicht.
14.12.2025
Presseerklärung
Terrorangriff auf ein Chanukka-Event am Bondi Beach in Sydney
Während das volle Ausmaß dieses grausamen Angriffs sich erst nach und nach abzeichnet, sind unsere Gedanken in diesen Stunden bei den Opfern, den Angehörigen und allen Hinterbliebenen.
03.12.2025
Presseerklärung
Global Jewish Leaders: Australia’s Antisemitism Spike is a Warning for Democracies Worldwide
With antisemitic incidents in Australia almost five times the preOctober 7 levels, the J7 Task Force meeting in Sydney warns of a global pattern.
01.12.2025
Presseerklärung
Ratsversammlung 2025: Zentralrat der Juden kommt in Frankfurt am Main zusammen
90 Delegierte aus den 23 Landesverbänden und Groß-Gemeinden sind am 30. November zur Ratsversammlung des Zentralrats der Juden in Deutschland in Frankfurt am Main zusammengekommen.
24.11.2025
Presseerklärung
Mitzvah Day 2025: Zentralrat der Juden in Deutschland unterstützt zum Tag der guten Taten die Berliner Tafel
An diesem Sonntag haben sich beim Mitzvah Day, dem jüdischen Aktionstag für gute Taten, in ganz Deutschland jüdische Gruppen mit mehr als 150 sozialen Aktionen für eine Stärkung unseres gesellschaftlichen Miteinanders eingesetzt. In diesem Jahr stehen alle Aktionen unter dem Motto „Ein Licht für ...
12.11.2025
Presseerklärung
Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßt das neue Gedenkstättenkonzept des Bundes
Dr. Josef Schuster, erklärt: „Wir begrüßen die Fortschreibung des Gedenkstättenkonzepts des Bundes. Sie ist ein wichtiges und ein notwendiges Zeichen.
12.11.2025
Presseerklärung
Gastbeitrag von Dr. Josef Schuster: Deutschland braucht einen „neuen Aufstand der Anständigen“
Der 9. November ist für die Deutschen mit bedeutenden historischen Ereignissen verbunden. Mauerfall, gescheiterter Hitlerputsch – mehr als alles andere die Pogromnacht 1938.
Nach oben scrollen