Neuer J7-Jahresbericht: 2025 war das Jahr mit den meisten tödlichen antisemitischen Angriffen in der Diaspora seit über 30 Jahren
29. Juli 2026
Presseerklärung

Neuer J7-Jahresbericht: 2025 war das Jahr mit den meisten tödlichen antisemitischen Angriffen in der Diaspora seit über 30 Jahren

Die Zahl der antisemitischen Vorfälle in den J7-Ländern liegt 136 Prozent über dem Niveau von 2022 – dem Jahr vor dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober. Gewalttätige Übergriffe nahmen im selben Zeitraum um 97 Prozent zu. Deutschland verzeichnet seit 2021 einen Zuwachs der antisemitischen Vorfälle um 215 Prozent.

Bei antisemitischen Angriffen wurden im vergangenen Jahr in Sydney, Manchester, Washington, D.C. und Boulder, Colorado, 20 Menschen ermordet. Damit war 2025 für die jüdische Diaspora das Jahr mit der höchsten Zahl an Todesopfern durch antisemitische Gewalt seit dem AMIA-Bombenanschlag in Argentinien 1994.

 

Vor diesem Hintergrund veröffentlicht die J7 Large Communities‘ Task Force Against Antisemitism heute ihren insgesamt zweiten Jahresbericht zum weltweiten Antisemitismus. Dieser dokumentiert für das Jahr 2025 mehr als 23.000 antisemitische Vorfälle in den J7-Ländern (Argentinien, Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA), die über 90 % der jüdischen Diaspora repräsentieren. Alle J7-Länder verzeichnen weiterhin ein Vorfallniveau, das dramatisch über den Werten aus der Zeit vor dem 7. Oktober 2023 liegt.

 

Zur Lage in Deutschland äußerte sich der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster:

„Die 8.725 im Jahr 2025 registrierten Vorfälle sind ein bitterer Befund. Deutschland weist die mit Abstand höchste Rate an antisemitischen Vorfällen pro jüdischem Einwohner in den J7-Staaten auf. Die Zahlen belegen die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses. Dieser wird von den politischen Rändern von links bis rechts geschürt und dabei zunehmend als „Antizionismus“ maskiert. Deshalb erwarten wir vom Gesetzgeber, dass er bestehende Lücken im Strafrecht schließt und Aufrufe zur Zerstörung des Staates Israel konsequent unter Strafe stellt.“

 

Zentrale Erkenntnisse zur Situation in Deutschland:

  • Deutschland weist weiterhin die höchste Rate an antisemitischen Vorfällen pro jüdischem Einwohner auf: fast 70 Vorfälle pro 1.000 jüdische Einwohner im Jahr 2025.
  • Zwischen 2021 und 2025 stieg die Zahl der antisemitischen Vorfälle in Deutschland um 215 %.
  • Die Auswertung zeigt einen drastischen Zuwachs an beiden politischen Rändern. Zwar liegt die absolute Zahl der antisemitischen Vorfälle mit rechtsextremem Hintergrund (Anstieg von 562 auf 807 Fälle) über der aus dem linken, antiimperialistischen Spektrum (Anstieg von 349 auf 501 Fälle). Der prozentuale Zuwachs ist 2025 mit jeweils exakt 43,6 % jedoch in beiden Lagern identisch hoch.
  • Vorfälle, die als „Anti-Israel-Aktivismus“ kategorisiert wurden, machten in Deutschland im Jahr 2025 mindestens 22,6 % aller erfassten Vorfälle aus.

 

Zentrale Erkenntnisse weltweit:

  • Insgesamt 20 Menschen wurden 2025 bei antisemitischen Angriffen getötet, alle in J7-Ländern. Dies umfasst 15 Ermordete bei einer Chanukka-Feier in Sydney, zwei Tote an Jom Kippur in einer Synagoge in Manchester, zwei Tote im Capital Jewish Museum in Washington, D.C. und ein Todesopfer in Boulder, Colorado.
  • Antizionismus war 2025 weltweit ein Hauptmotiv für einen erheblichen Teil der antisemitischen Vorfälle, darunter 48 % in Großbritannien, 45 % in den USA und 23 % in Deutschland.

Über die J7 Task Force

Die J7, The Large Communities’ Task Force Against Antisemitism, wurde als Reaktion auf die weltweit steigenden Raten von Antisemitismus gegründet und umfasst führende jüdische Organisationen in den USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Argentinien und Australien. Neben Konsultationen auf höchster Ebene leitet die J7 Arbeitsgruppen, die sich aus Fachexperten jeder Gemeinde zusammensetzen, um Strategien und Aktionspläne in Bereichen wie Politik und Interessenvertretung, Technologiepolitik, Sicherheit, Extremismus und Aufklärung gegen Antisemitismus zu entwickeln.

 

Methode

Der J7-Jahresbericht wird von den jüdischen Vertretungen der sieben Mitgliedsstaaten, für Deutschland durch den Zentralrat der Juden, gemeinsam verfasst und herausgegeben. Die länderspezifischen Daten für Deutschland basieren dabei auf zwei zentralen Quellen: den offiziellen Erhebungen des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) sowie dem „Lagebild der jüdischen Gemeinden in Deutschland“, das der Zentralrat der Juden jährlich erhebt.

 

Material

J7 Task Force Second Annual Report.

Jahresbericht 2025 des RIAS-Bundesverbands.

Drittes Lagebild der Jüdischen Gemeinden.

 

Als Download

Pressemitteilung 

J7 Task Force Second Annual Report

 

 

Berlin, 29. Juli 2026 / 15. Aw 5786

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