LEO BAECK (1873-1956) – Ein Leben für die Religion und die Menschen
23. November 2017
Presseerklärung

LEO BAECK (1873-1956) – Ein Leben für die Religion und die Menschen

Von Dr. E. G. Lowenthal

Ernst Gottfried Lowenthal (geb. am 28. Dezember 1904 in Köln und verstorben am 7. August 1994 in Berlin) arbeitete seit 1929 als Redakteur der C.V. Zeitung, der meistgelesenen Zeitung Deutscher jüdischen Glaubens. Später arbeitete er in der „Reichsvertretung der deutschen Juden“ unter Leo Baeck als Präsident. 1939 flüchtete er nach London. 1946 kehrte er bereits nach Deutschland zurück und setzte sich für die Sicherung jüdischen Kulturgutes ein. Seit der Gründung des Leo Baeck Instituts gehörte er zu dessen Vorstandsmitgliedern. 1989 vermachte der auch „Biograph des Judentums“ und „Gentleman der Form und Feder“ genannte Lowenthal seine umfangreiche Privatsammlung zur deutsch-jüdischen Geschichte von 1850 bis 1945 der Staatsbibliothek zu Berlin.

Rabbiner Leo Baeck war einer der großen geistigen Persönlichkeiten des liberalen deutschen Vorkriegsjudentums. Der Sohn von Rabbiner Dr. Samuel Baeck und dessen Ehefrau Eva wurde 1873 in Leszno (Polen) geboren und wuchs gemeinsam mit vier Schwestern auf. Im Alter von 18 Jahren ging Leo Baeck – der bei dem streng-gläubigen Vater seine erste religiöse Erziehung genossen hatte – ins benachbarte Breslau, um dort, am konservativen Jüdisch-Theologischen Seminar, seine Ausbildung als Rabbiner zu beginnen. 1897 setzte er seine Studien an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin fort und wurde hier schließlich selbst als Dozent berufen. Die liberale Hochschule hatte den pädagogischen Anspruch, das Judentum in seinen vielfältigen Erscheinungsformen zu erforschen und darzustellen. Gleichzeitig wirkte Leo Baeck als Rabbiner in Oppeln, Düsseldorf und ab 1912 in Berlin. Außerdem war er im Ersten Weltkrieg Feldrabbiner an der West- und Ostfront.

Zwischen 1919 und 1933 übernahm Baeck zahlreiche repräsentative Aufgaben in der Jüdischen Gemeinde Berlins. Darüber hinaus knüpfte er Kontakte zu politischen Repräsentanten der Weimarer Republik und rief die christlich-jüdischen Gespräche ins Leben, deren Ziel die interreligiöse und kulturelle Verständigung zwischen Juden und Christen in Deutschland war. Als Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbands übernahm Baeck die Vermittlerrolle zwischen dem orthodoxen und dem liberalen Flügel.

1933 wurde der inzwischen angesehene Gelehrte zum Präsidenten der Reichsvertretung der deutschen Juden berufen und war während des nationalsozialistischen Regimes geistiges Oberhaupt der deutschen Juden. In dieser Funktion unternahm er zahlreiche Auslandsreisen, um auf die Lage der Juden im Deutschen Reich aufmerksam zu machen. Trotz mehrfacher Möglichkeit zur Emigration blieb Baeck bei seiner Gemeinde und verhalf vielmehr anderen Juden, Deutschland zu verlassen. 1943 wurde er zusammen mit seiner Familie in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort versuchte er unermüdlichen den Menschen mit seinen Predigten und Vorträgen in ihrer hoffnungslosen Situation zu helfen. Schwer misshandelt überlebte er schließlich und emigrierte 1945 nach London.

Leo Baeck wurde 1945 Präsident der Weltunion für Progressives Judentum (World Union for Progressive Judaism) und bemühte sich fortan um Versöhnung und den Dialog zwischen Juden und Christen. Die Wiederaufnahme der Gespräche erschien ihm wichtiger als die Bestrafung der Schuldigen des Völkermordes.

Neben seinen repräsentativen Funktionen lehrt Baeck in verschiedenen Universitäten in Europa und in den USA. 1955 wird er erster Präsident des nach ihm benannten Leo Baeck Institut, das sich der Aufgabe verschrieben hat, die Geschichte der Juden im deutschsprachigen Raum ab der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Zerstörung durch die Nationalsozialisten zu erforschen.

Am 2. November 1956 starb Leo Baeck in London.

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