„Ihr Erbe lebt weiter“ – zum Tod von Rita Süssmuth
Der Zentralrat der Juden in Deutschland trauert um Rita Süssmuth.
Zu ihrem Tod äußert sich Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats:
Rita Süssmuth hat das politische Klima unserer Bundesrepublik über Jahrzehnte geprägt: Als Bundesministerin, als Bundestagspräsidentin und von jeglichen Ämtern gelöst war sie bis zuletzt eine engagierte Mahnerin für Demokratie und den Erhalt der offenen Gesellschaft. In besonderem Maße hat ihr Wirken dabei der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland gegolten.
Als Bundestagspräsidentin setzte sich Rita Süssmuth nachdrücklich für eine lebendige Erinnerungskultur ein. In den 1990er Jahren gab sie dem Gedenken an die Novemberpogrome und die Befreiung von Auschwitz eine große Aufmerksamkeit und verwehrte sich erfolgreich jeder Forderung nach einem Schlussstrich.
Rita Süssmuth war ein Gesicht der Aussöhnung von Deutschland und Israel. 1990 reiste sie nach Israel, um Sorgen vor der deutschen Wiedervereinigung zu adressieren und die Verbindung beider Völker weiter zu vertiefen.
Als Vorsitzende der Süssmuth-Kommission unterstrich sie die Bedeutung jüdischer Zuwanderung aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. In der Überzeugung, dass diese Zuwanderung der Stärkung jüdischen Lebens diene, stand sie fest an der Seite der jüdischen Gemeinschaft. Über viele Jahre war sie zudem Mitglied der Beratenden Kommission zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts.
Ihr Wirken macht deutlich, dass Rita Süssmuth eine Politikerin war, die Verantwortung nicht nur als historischen Begriff verstand, sondern als Auftrag an das Handeln in Gegenwart und Zukunft. Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie. Wir verlieren mit ihr eine leidenschaftliche Kämpferin für die Demokratie, doch ihr Erbe lebt weiter.
Berlin, 2. Februar 2026 / 15. Schwat 5786
