Leo-Baeck-Preis 2026 geht an den Kabarettisten Dieter Nuhr
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat in diesem Jahr seine höchste Auszeichnung, den Leo-Baeck-Preis, an den Kabarettisten, Autoren und Moderator Dieter Nuhr verliehen. Der Zentralrat der Juden würdigt damit Nuhrs entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus in der Medienlandschaft. Die feierliche Preisverleihung fand in den Berliner Wilhelm Studios statt. Die Laudatio hielt der Psychologe und Autor Ahmad Mansour.
In seiner Rede betonte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster: „Es ist nicht die Aufgabe des Kabaretts, den Menschen zu gefallen. Es ist seine Aufgabe, die Menschen zu konfrontieren. Widerspruch auszulösen, vor allem aber Reflexion über die eigene Position zu ermöglichen. Dieter Nuhr nutzt seine Reichweite, um genau das in Bezug auf Israel und das Judentum zu tun. Konsequent deckt er die Doppelstandards auf, denen die deutsche Medienlandschaft bei diesen Themen oftmals unterliegt. In einer Zeit, in der der Antisemitismus eine Normalisierung erfährt, steht Dieter Nuhr an der Seite der jüdischen Gemeinschaft. Das macht ihn zu einem würdigen Träger des Leo-Baeck-Preises.“
Der Laudator Ahmad Mansour erklärte in seiner Rede: „Dieter Nuhrs Kunst ist eine seltene: Er fasst Unbehagen in Worte. Er nimmt das diffuse Gefühl, das viele tragen, aber nicht benennen können, und gibt ihm eine Sprache – so präzise, dass die Zuschauer nicht nur lachen, sondern denken: Genau so ist es. So hätte ich es auch sagen wollen.
Diese Fähigkeit allein wäre schon besonders. Aber wenn man die deutsche Debatte der letzten Jahre betrachtet, dann reicht das Wort ‚Fähigkeit‘ nicht mehr. Dann muss man von Mut sprechen.“
In seiner Rede sagte der Preisträger Dieter Nuhr: „Dieser Preis ist etwas sehr Besonderes. Weil er mir nicht als Komiker verliehen wird, sondern als Mensch, für meine Haltung, gegen Intoleranz, gegen Radikalismus, gegen Antisemitismus. Wir erleben heute wieder, dass Menschen mitlaufen, sich offensichtlich gedankenlos einfügen in eine sich moralisch überlegen fühlende Menge. Genau da entsteht der Raum, in dem sich das Böse entfaltet. Und wir können nicht mehr tun als dagegenhalten, argumentieren – und Witze machen.“
Seit 1957 zeichnet der Zentralrat der Juden mit dem Leo-Baeck-Preis Persönlichkeiten aus, die in besonderem Maße für die jüdische Gemeinschaft eingetreten sind. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung bewahrt das Andenken an Rabbiner Leo Baeck sel. A. Zu den bisherigen Preisträgern zählen namhafte Persönlichkeiten wie der ehem. Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1994), die ehem. Bundeskanzlerin Angela Merkel (2007), der ehem. Bundesminister Cem Özdemir (2022) und der Präsident von Borussia Dortmund Hans-Joachim Watzke (2024).
Eine digitale Pressemappe zur diesjährigen Preisverleihung mit Fotos des Abends und weiteren Informationen finden Sie auf der Website des Zentralrats.
Berlin, 10. Juni 2026 / 25. Siwan 5786
















