Konferenzen

Von der jüdischen Sehnsucht nach Heimat

7. – 9. März 2018
Konferenz in Frankfurt am Main


Die wiederaufgeflammte Diskussion um den Heimatbegriff, seine ideologische Verortung und politische Instrumentalisierung, löst in der plural zusammengesetzten jüdischen Gemeinschaft in Deutschland besorgte Diskussionen aus. So sehr der Wunsch nach Integration und Anerkennung für die jüdische Gemeinschaft ein Ausdruck des eigenen Identitätskonzepts ist, so weiß sie doch auch um die ausschließenden Aspekte einer Heimatvorstellung, die deutliche Grenzen der Zugehörigkeit markiert.

Zugleich erfährt der Heimatbegriff innerhalb der jüdischen Gemeinschaft eine besondere Bedeutung: die meisten europäischen Juden haben ihre Heimat verloren oder sind vertrieben worden. Im Spektrum der Erfahrung der jüdischen Gemeinschaft mit Verfolgung und Vertreibung bildet der Nationalsozialismus allerdings nur ein schmerzhaftes Ereignis unter vielen in der Geschichte des Judentums. Während für viele Juden die bürgerliche Emanzipation im Rahmen der Moderne zur »alternativen Heimat« in Reaktion auf Vertreibung und Ghetto wurde, deuten breite Schichten der nicht-jüdischen Gesellschaft die Folgen eben dieser Modernisierung, die ihr Leben verändern, als Heimatverlust. Die Sehnsucht nach Heimatist gleichwohl konstitutiv mit der jüdischen Geschichte und Religion verknüpft. So wie die jüdische Welt plural aufgestellt ist, findet sich eine Bandbreite jüdischer Heimatvorstellungen, die aus religiöser, politischer, philosophischer oder psychologischer Perspektive unterschiedliche Ausdrucksweisen ergeben. Dieser Vielfalt nachzugehen und sie zu vertiefen ist Anliegen der Konferenz.

Konferenzprogramm

Die Staatsgründung Israels im Fokus der Geschichte

6. – 8. Juni 2018
Konferenz in Frankfurt am Main


Die 70-jährige Wiederkehr der Staatsgründung Israels bietet einen hervorragenden Anlass, den Blick sowohl auf die Anfänge des Staates als auch auf die vorstaatliche Epoche zu richten. Um die komplexen Verhältnisse der heutigen politischen Landschaft Israels analysieren und interpretieren zu können, ist es notwendig, die politischen, ideologischen und religiösen Debatten im britischen Mandatsgebiet Palästina in den 1930er und 1940er Jahren sowie im 1948 ausgerufenen Staat Israel Revue passieren zu lassen. Der Frage nach sozialen und ökonomischen Strukturen jener Zeit gilt es ebenso nachzugehen, wie dem Umgang mit der arabisch-palästinensischen Bevölkerung sowie der Integration von Shoah-Überlebenden und den jüdischen Flüchtlingen und Neueinwanderern. Welche Einfluss sollten religiöse Organisationen im neugegründeten Staat haben? Welche Bedeutung würde die Kibbuz-Bewegung zukünftig einnehmen? Wie sollte der neugegründete Staat sich zur Diaspora positionieren – und wie sollten die ersten ethnischen Spannungen aufgefangen werden?

Die Konferenz wird diese zeithistorischen Aspekte im Spannungsverhältnis zwischen dem Staat im Aufbau (Ha- Medina Ba-Derech) und dem Staat Israel (Medinat Israel) aufgreifen und in der Form von Vorträgen sowie filmischen und literarischen Beiträgen vertiefen und diskutieren.

Konferenzprogramm

Kontinuitäten – Brüche – Herausforderungen

29. – 31. August 2018
Konferenz in Frankfurt am Main


Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindschaft, Migrationsgesellschaft: Diese Stichworte prägen zunehmend die gesellschaftliche, wissenschaftliche und pädagogische Auseinandersetzung mit Vorurteilen und mit ausgrenzenden Denk-und Deutungsmustern. Vielfach schwankt die Diskussion zwischen Engagement und Orientierungslosigkeit, zwischen eindeutigen Positionen und Differenziertheit. So stellt die Zunahme von rechtspopulistischen Einstellungen und Parteien in Deutschland, Europa und den USA die antisemitismuskritische Bildungsarbeit vor neue Herausforderungen. Das lautstarke Wüten gegen eine imaginierte »Überfremdung « des eigenen »Volkes« durch Migranten und Flüchtlinge verdeckt das antisemitische Ressentiment, das sich über Umwege Ausdruck verleiht. So ist in der Rede von der »Lügenpresse« unschwer das Stereotyp jüdisch kontrollierter Medien zu erkennen, die »Kritik der Herrschaft des Kapitals« verweist auf das antisemitische Bild des »jüdischen Wucherers« und die Vorstellung, eine unkontrollierbare Fremdgruppe organisiere die vermehrte Einwanderung von Flüchtlingen, schließt an das alte Phantasma an, die Juden würden den Nationalstaat untergraben.

Die Bilder, derer sich bedient wird, verraten ihre antisemitische Herkunft nicht offen, sondern gerieren sich als Sorge um einen wahrgenommenen Verlust »völkischer und nationaler Selbstbestimmung« – eine Angst, die von zahlreichen rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen in Europa geschürt wird.

Die Tagung widmet sich daher der Frage, wie antisemitismuskritische Bildung neben der Analyse der genannten Phänomene auf das Erstarken rechtpopulistischer Einstellungen in der »Mitte der Gesellschaft« reagieren kann.

Das Bundesministerium der Justiz und die NS-Zeit

7. – 9. November 2018
Konferenz in Berlin


Als das Bundesministerium der Justiz Ende der 40er Jahre seine Arbeit aufnahm, kam es zu erheblichen personellen und politischen Verflechtungen mit dem Nationalsozialismus. So wurden Juristen, die zuvor im Reichsjustizministerium bei Sondergerichten und als Wehrrichter tätig gewesen waren, auch im neugegründeten Bundesministerium der Justiz beschäftigt. Eine Studie mit dem Namen »Die Akte Rosenburg«, genannt nach dem gleichnamigen Ort, der 1950 zum Dienstsitz des Justizministeriums wurde, untersucht die Rolle der Justiz in der NS-Zeit und in der Bundesrepublik, wobei das Hauptaugenmerk auf die personellen Kontinuitäten der Mitarbeiter dieser Behörde und ihrer Karrieren vor und nach 1945 gerichtet ist. Zehntausende der Verfahren gegen NS-Täter in der Nachkriegszeit wurden wegen dieser personellen Kontinuität einstellt.

Im Rahmen der Konferenz wird exemplarisch vorgestellt, wie sich die deutsche Nachkriegszeit – trotz der Shoah und des von des NS-Regime ausgehenden Zivilisationsbruchs sowie der systematischen Entrechtung und Erniedrigung von Menschen – nur äußerst langsam und widerwillig von den nachhaltigen Folgen einer zutiefst belasteten historischen Epoche verabschiedet hat.

Gegenwart und Zukunft des jüdischen-christlichen Dialogs

13. – 15. Mai 2018
Konferenz in Frankfurt am Main


In den vergangenen Jahrzehnten ist auf internationaler Ebene in Theologie und Kirche im Kontext des jüdisch- christlichen Dialogs Vieles in Bewegung geraten – mit Blick auf die Reflexion über die Geschichte des christlichen Antijudaismus und Antisemitismus bis hin zur Shoah, aber auch hinsichtlich der Neuformulierung christlichen Selbstverständnisses in der Begegnung mit dem Judentum oder jüdischer Wahrnehmungen des Christentums. Die Konferenz, die namhafte Forscher aus dem In- und Ausland zusammenbringen wird, soll Erreichtes bilanzieren, die unterschiedlichen Facetten des jüdisch- christlich- Dialogs der Gegenwart in Europa, den USA und Israel diskutieren und ein Gespräch darüber eröffnen, wo Schwierigkeiten und Grenzen des Dialogs liegen, wo vielversprechende Neuansätze – insbesondere in der gemeinsamen jüdisch-christlichen Reflexion über Verbindendes wie Trennendes – zu finden sind und wie sich die Erkenntnisse dieses Dialogs wirksam in die Öffentlichkeit tragen lassen.

Jewish Women Empowerment

21. – 24. Februar 2019
Summit in Frankfurt am Main


Zwischen Lean In und Eschet Chayil – zwischen #metoo und Jswipe – zwischen Burnout und Momager – von der Prophetin zur Influencerin: Wo stehen wir heute in der Gesellschaft? An welchen Rollenerwartungen- und Vorbildern orientieren wir uns? Wir sind privat gut vernetzt, aber sind wir auch professionell? Jung, jüdisch, weiblich – wie gehört das alles zusammen? Wollen junge jüdische Frauen diese Aspekte überhaupt zusammendenken? Was brauchen weibliche Millenials eigentlich, um ihren eigenen Idealen und Ansprüchen wirklich gerecht werden zu können?

Vor allem in Deutschland wurden politische, kulturelle und religiöse Diskurse von jüdischen Frauen entscheidend geprägt. Anlässlich der Einführung des Frauenwahlrechts vor hundert Jahren setzt sich das Summit zum Ziel, junge jüdische Frauen auf ein neues in Bewegung zu setzen.

Das erstmalig stattfindende Summit verfolgt das Ziel, Angebote in unterschiedlichen Bereichen zu machen, Platz für Diskussion zu schaffen und einen Raum zu gestalten, der darauf abzielt herauszufinden, was junge jüdische Frauen heute beschäftigt.

Diese Veranstaltung ist eine Kooperation der Bildungsabteilung mit der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD).

Die jüdische Jugendbewegung
Eine Geschichte von Aufbruch und Erneuerung

5. – 7. Juni 2019
Konferenz in Frankfurt am Main


Die Erneuerung jüdischen Lebens im späten Neunzehnten und Zwanzigsten Jahrhundert war eine Frucht der jüdischen Jugendbewegung, die sich Ende des Zwanzigsten Jahrhunderts nicht zuletzt unter dem kulturellen Einfluss der deutschen Wandervogelbewegung und der britischen Boy Scouts Bewegung in Deutschland und Osteuropa formierte: politisch von weit rechts bis weit links, von zionistisch über „assimilatorisch“ bis hin zu deutsch-national, von atheistisch bis zu streng religiös geprägt, vom „Hashomer Hatzair“ über die „Kameraden“ bis zu den „Bnei Akiva“, von den aus Russland kommenden „Biluim“ bis zum deutschnationalen „Vortrupp“, teils dem anarchistischen Lebensstil der Wandervögel, teils dem militaristischen Stil der „Bündischen Jugend“ verpflichtet, waren jüdische Jugendbewegungen sowohl an der Errichtung des Staates Israel als auch am jüdischen Rettungswiderstand in der NS-Zeit beteiligt.

Die Konferenz widmet sich der Kultur, der Musik, den fotografischen und filmischen Zeugnissen sowie den Biografien der für die jüdische Jugendbewegung entscheidenden Persönlichkeiten.

Militärrabbiner in der Bundeswehr
Zwischen Tradition und Herausforderung

3. – 5. April 2019
Konferenz in Berlin


„Feldrabbiner spiegeln die Präsenz deutscher jüdischer Soldaten an den Fronten des Ersten Weltkriegs wider. Die jüdischen Gemeinden und Organisationen verbanden damit die Hoffnung auf eine weiter zunehmende Anerkennung der jüdischen Gemeinschaft und ihrer Religion durch die Umgebungsgesellschaft. Zu den zentralen Aufgaben der Feldrabbiner gehörten, neben der eigentlichen religiösen Seelsorge, die Verteilung von religiöser Lektüre und ‚Liebesgaben‘ aus der Heimat, die Durchführung von Unterhaltungsabenden und Vorträgen und der Dienst in Lazaretten.“ (Schriften des Centrum Judaicum, Bd. 7)

Wenn der Zentralrat der Juden heutzutage dafür plädiert, Militärrabbiner in der Bundeswehr einzusetzen, dann stellen sich vielerlei Aufgaben: neben der seelsorgerlichen Betreuung der jüdischen Angehörigen der Truppe sorgen sie sich um die Stärkung der „Inneren Führung“ und der Demokratieerziehung der Soldatinnen und Soldaten. Militärrabbiner sind angehalten, entsprechend der Arbeitsfelder ihrer Kollegen anderer Konfessionen, ethische Orientierung, gemäß der im Grundgesetz verankerten Wertvorstellung zu vermitteln. Auch die Sensibilisierung der Soldatinnen und Soldaten der verschiedenen Einheiten und Waffengattungen gegenüber unterschiedlichen Ausdrucksformen des Antisemitismus gehört in ihr Arbeitsfeld. Ziel ist es, judenfeindlichen Ressentiments und Unwissenheit entgegenzuwirken.

Während die Bundeswehr zunehmend auch für junge Juden in Deutschland als Arbeitgeber attraktiv wird, könnte die Aufnahme von Militärrabbinern in der Truppe ein Zeichen für die Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft sein. Der Vorsitzende des Bundes jüdischer Soldaten (BjS), geht davon aus, dass unter den gegebenen Bedingungen für Juden „vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte“ Platz in einer deutschen Armee ist, „ohne eine verachtete oder geduldete Minderheit zu sein“.

Die Konferenz wird sich sowohl mit den historischen Aufgaben der Institution ‚Militärrabbinat‘ auseinandersetzen als auch den gegenwärtigen Erwartungen an Militärrabbiner, die in einer modernen und im westlichen Bündnis verankerten Armee dienen. Weiterhin werden Vertreter des Zentralrats der Juden und der Bundeswehr Rahmenbedingungen für ein umfassendes Engagement von Militärrabbinern festschreiben, um den demokratischen, pluralen und liberalen Charakter des Heeres zu stärken.

Antisemitismus-Studien und ihre pädagogischen Konsequenzen
Impulse zur Veränderungen der deutschen Bildungslandschaft

13. – 15. Mai 2018
Konferenz in Frankfurt am Main


Auch wenn die meisten der in Deutschland lebenden Juden und Jüdinnen ihren Willen bekunden, in der Bundesrepublik bleiben zu wollen und nicht ernsthaft mit dem Gedanken spielen, das Land zu verlassen, werden dennoch Risse in der Fassade des gemeinsamen deutsch-jüdischen Gebäudes erkennbar. Mit dem zunehmenden zeitlichen Abstand zum Nationalsozialismus und dem Verblassen der Erinnerung nehmen Geschichtskonstruktionen, Verzerrungen oder Leugnungen der historischen Geschehnisse immer häufiger zu. Subtile antisemitische Einstellungen werden überlagert durch zunehmend offen vorgetragene juden- und israelfeindliche Positionen. In Deutschland hat sich eine rechtspopulistische, fremdenfeindliche Partei mit einer Anhängerschaft von ca. 15% der Wähler etabliert und entspricht somit der in Umfragen ermittelten Größenordnung deutsch-nationaler Einstellungen innerhalb der Bevölkerung. Diese Entwicklung wird in einer Reihe von Antisemitismus-Studien belegt.

Auf der Konferenz werden die pädagogischen Implikationen der vorliegenden Erkenntnisse diskutiert und Konzepte ihrer Implementierung in unterschiedliche Bereiche der Bildungslandschaft erörtert.

Ambivalenzen — jüdische Filmschaffende und ihr Verhältnis zu Deutschland
Eine filmische und biografische Spurensuche

13. – 15. November 2019
Filmseminar in Wiesbaden


Die Rückkehr oder die Reise nach Deutschland war für Jüdinnen und Juden nach 1945 ein besonderes Thema und ist es bis heute geblieben. Auch wenn die meisten hier lebenden Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft Deutschland als ihren Lebensmittelpunkt betrachten, so scheint bei ihnen die Ambivalenz gegenüber Deutschland immer wieder auf. Dabei ist der Weg nach Deutschland auch ein filmisches Thema, das vor und hinter der Kamera eine Rolle spielt: Jüdische Filmschaffende kamen aus dem Exil zurück – oder auch nicht – und reflektierten ihre jeweilige Entscheidung in ihren Filmen. Sie blieben länger als geplant oder kehrten dem Land der Täter enttäuscht wieder den Rücken zu. Die im Exil oder Israel nachgeborenen Generationen suchen seit einiger Zeit das Land ihrer Eltern und Großeltern auf und befragen es auf ihre Weise. Welche Spuren der Vergangenheit sind noch zu finden und (wie) lässt es sich hier leben?

Das Filmseminar beschäftigt sich gleichermaßen mit den Geschichten auf der Leinwand, also den filmischen Reflektionen über das „zurück nach Deutschland“ wie auch mit den vielschichtigen Biografien jüdischer Filmschaffender, die hinter den Filmen stehen.