Konferenzen & Seminare

Eine Reise zu den letzten Überlebenden des Holocausts

26. Januar 2020
Filmpremiere und Podiumsgespräch
in Frankfurt am Main

Die Dokumentation „Die Zeugen – Eine Reise zu den
letzten Überlebenden des Holocaust“ begleitet eine
Journalistin und einen Fotografen bei der Realisierung
eines Foto- und Interviewbuches über die letzten
Holocaust-Überlebenden in Israel, Deutschland und
Österreich. Auf dieser Reise haben sie 25 Überlebende
zwischen 75 und 96 Jahren getroffen, die ihnen ihre
Geschichten erzählten und sich fotografieren ließen.
Alle Geschichten beschreiben sehr unterschiedliche
persönliche Schicksale und haben dabei gleichzeitig
enge Berührungspunkte, die alles vereinen. Es ist eine
Reise zweier verschiedener Menschen, die sich so auf
außergewöhnliche Weise mit dem Holocaust neu
auseinandersetzen.
Zum Anlass des Holocaust-Gedenktages holt diese Veranstaltung
die letzten Zeitzeugnisse in Wort und Bild in
den Fokus. Der Frage nach der Bedeutung von Erinnerung
aus einer jüdischen Perspektive werden wir im
anschließenden Mehrgenerationen-Gespräch nachgehen.

Schuldverstrickungen im gegenwärtigen
Erinnerungsdiskurs

18. – 20. März 2020
Konferenz in Frankfurt am Main

Schuldfragen sind vielseitig mit jüdischem Leben in
Deutschland verwoben und sie behalten ihre Aktualität
im gegenwärtigen Antisemitismus: Schuldgefühle unter
Juden, etwa die Überlebensschuld derer, die der Shoah
entrinnen konnten, während ihre Verwandten ermordet
wurden, trifft auf eine seit 1945 in Deutschland einsetzende
Schulddebatte, die zum einen nach einem angemessenen
Umgang mit der Schuld gegenüber Juden
fragt, zum anderen aber auch die Rede vom „Schuldkomplex“
der Deutschen hervorbrachte, die bis heute
zur Schuldabwehr erneut „die Juden“ bzw. „die Israelis“
beschuldigt. Am Schicksal von Jüdinnen und Juden wird
die Komplexität der Kategorie „Schuld“ in der jüdischen
Erfahrung erzählbar, kann differenziert betrachtet und
in die Frage nach Verantwortung transformiert werden.
Der Vernichtungswille gegenüber Juden und jüdischem
Leben hat Dimensionen der Schuld hervorgebracht, die
nicht abgetragen, wohl aber zur Verantwortungsübernahme
für gegenwärtige und künftige Vorkommnisse
herangezogen werden können.
Allerdings nehmen Kenntnisse über den Holocaust und
die Verhältnisse im Dritten Reich ab und das Familiengedächtnis
der Deutschen wird zunehmend von Narrativen
des Widerstandes oder des Unbeteiligt-Gewesen-
Seins dominiert. Überdies wird gerade von rechtspopulistischer
Seite die Forderung laut, das Thema der
Schuld hinter sich zu lassen und an die bundesdeutsche
Erinnerungskultur wird der Vorwurf erhoben, sie
betreibe einen ‚Schuld-Kult‘. Es scheint, dass die Frage,
welche Lehren aus dem selbstverschuldeten Zivilisationsbruch
zu ziehen sind, gegenwärtig zunehmend
abgewehrt oder in Frage gestellt werden.
Entfällt dadurch jene soziale Bindungskraft, auf der bisher
unsere Erinnerungskultur beruhte und was bedeutet
es für den sozialen Zusammenhalt der Generationen
und Religionen, wenn das Bewusstsein kollektiver
Schuldverstrickung verblasst? Die Konferenz geht unter
anderem diesen Fragen nach und diskutiert, inwiefern
ein reflektierter Umgang mit Schuld in einer Gesellschaft
zu Transformationsprozessen führen kann.

Professioneller Umgang mit Interviews in Jüdischen
Gemeinden

21. – 22. April 2020
Seminar in Berlin


Interview-Anfragen von Medien sind für viele Gemeinden
gleichermaßen Grund zur Freude, wie manchmal auch
eine Belastung. Wir möchten unsere Meinung kundtun,
doch manchmal entstehen daraus Schlagzeilen, die wir
nie gewollt haben.
Wie weit dürfen wir in ein Zeitungs-Interview eingreifen?
Wie spricht man am besten in eine Kamera? Im Seminar
werden Grundlagen für einen professionellen Umgang
mit Interviews vermittelt: von der Vorbereitung auf ein
Zeitungs-Interview bis zu dessen Autorisierung.
Daneben werden professionelle Medientrainer*innen
mit den Seminarteilnehmern*innen Auftritte vor der
Kamera und Hörfunk- oder Fernsehgerechtes Sprechen
üben.
Das Seminar richtet sich an Vorstände und Geschäftsführer*
innen sowie Presseverantwortliche Jüdischer
Gemeinden.

 

Zum Verhältnis von Staat und Religion in der
Bundesrepublik Deutschland

13. – 15. Mai 2020
Konferenz in Berlin
 

„Dina-de-Malchuta-Dina“ – Das Recht des Staates ist
geltendes Recht (und ist damit einzuhalten). Seit Jahrhunderten
sucht das jüdische Recht ein harmonisches
Verhältnis zu demjenigen Staat, in dem Jüdinnen und
Juden leben. Um eine Zusammenarbeit mit dem Staat zu
ermöglichen, haben Juden in Deutschland im 19. Jahrhundert
damit begonnen, sich nicht nur in Gemeinden,
sondern auch in Landesverbänden und landesübergreifenden
Vereinigungen zusammenzuschließen. Jüdinnen
und Juden kämpften für die Gleichberechtigung ihrer
Gemeinden mit den christlichen Kirchen und für die
Rechte des Einzelnen, insbesondere auf religiöse jüdische
Bildung.
Was ist davon heute geblieben? Wie sind die derzeitigen
rechtlichen Grundstrukturen des Verhältnisses von Staat
und Religion in Deutschland allgemein?
Welche Rechte auf ein religiöses jüdisches Leben
vermittelt das staatliche Recht, wo sind die Grenzen?
Dürfen etwa an Jom Kippur Klausuren geschrieben
werden, im Falle, dass jüdische Schüler in der Klasse
sind? Haben jüdische Schüler und Schülerinnen an
öffentlichen Schulen einen Anspruch auf jüdischen
Religionsunterricht? Gibt es ein Recht auf Arbeitsbefreiung
an jüdischen Feiertagen? Kann der Arbeitgeber
das Tragen einer Kippa am Arbeitsplatz verbieten? Darf
man eine Beschneidung ohne einen Arzt in der Synagoge
durchführen? Kann man die Zustimmung zu einer
jüdischen Ehescheidung mit Hilfe staatlicher Gerichte
durchsetzen? Ist der Staat verpflichtet, jüdische Gemeinden
finanziell zu unterstützen? Wie intensiv darf er die
Verwendung staatlicher Mittel durch jüdische Gemeinden
kontrollieren? Wer definiert, wann eine Gemeinde
beziehungsweise ein Steuerpflichtiger jüdisch ist und
letzterer damit gegebenenfalls Kultussteuer an die
lokale jüdische Gemeinde zahlen muss? Dabei ist auch
zu klären, was für eine umfassende Erfüllung religiöser jüdischer Bedürfnisse generell noch erforderlich ist, und
ob dies ein staatliches Gesetz überhaupt leisten kann
und soll: Wie viel gesetzliche Regelung ist notwendig,
um ein möglichst großes Maß an Freiheit und Autonomie
zu erlangen beziehungsweise zu Erhalten? Verbindet
der Staat mit rechtlichen Garantien eine Erwartung an
die jüdische Gemeinschaft? Ist eine möglichst starke
Integration in die staatlichen Strukturen insgesamt wünschenswert,
oder kann eine größere Distanz zum Staat
im Ergebnis mehr Autonomie für den Einzelnen und die
jüdische Gemeinschaft bedeuten?
Die Konferenz „Autonomie und Gesetz“ soll einen
Überblick über den aktuellen Status jüdischer Religionsgemeinschaften
im staatlichen Recht sowie Inhalt und
Grenzen der Religionsfreiheit des Einzelnen geben und
damit verdeutlichen, was das Gesetz derzeit gewährleistet.

Narrativ - Zeugnis - Erinnerung

16. – 18. Juni 2020
Filmseminar in Frankfurt am Main

Filme eröffnen nicht nur Perspektiven auf unsere Welt
und die jeweiligen Gesellschaften, sondern schaffen
eine eigene Welt. In ihr sind Zeit und Gedächtnis zentrale
Kategorien. Damit hat sich die Filmtheorie schon
früh befasst. Der scheinbar selbstverständliche lineare
Verlauf von Zeit, die objektive Wirklichkeit und die Trennung
von Gegenwart und Vergangenheit können im
bewegten Bild hinterfragt werden.
Vielleicht liegt es daran, dass viele Filme Zeit und
Gedächtnis auch explizit thematisieren – sei es, dass
Gedächtnisverlust als narrativer Motor auftaucht oder
als realistische Thematisierung von Krankheiten wie
Alzheimer oder Demenz; vergrabene Erinnerungen
plötzlich zurückkehren oder divergierende Erinnerungen
uns die Brüchigkeit der Idee einer objektivierbaren
Wirklichkeit vor Augen führen.
Aber Film ist auch ein zentrales Medium für das kulturelle
Gedächtnis. Das kulturelle Gedächtnis organisiert
Erinnern und Vergessen und nur das, was medial zirkuliert,
kann erinnert werden. Dabei ist Erinnerung aber
sowohl im kollektiven als auch im individuellen kein
reaktiver, unvermeidlicher, sondern vielmehr ein kreativer,
schöpferischer Prozess. Historische Ereignisse
werden also mitnichten einfach im Film repräsentiert
und dann in dieser Form durch die mediale Fixierung
im kulturellen Gedächtnis gespeichert. Vielmehr finden
andauernde Deutungen, Verschiebungen und Auslassungen
statt – immer vor dem Hintergrund der jeweiligen
Gegenwart. Besonders in Filmen, die sich mit der
Shoah auseinandersetzen, wird die Macht des Erinnerten,
des Verdrängten oder des Erfundenen sichtbar. So
wird ein erfahrenes Trauma, als eine spezifische Form
der Erinnerung, die der Zeit enthoben ist, nicht selten
zum Drehbuch für die eigene Biografie.
Die interdisziplinäre Tagung widmet sich diesem
bewusst breit verstandenen Zusammenhang von
Film und kulturellem Gedächtnis und beleuchtet ihn
aus gedächtnistheoretischen und filmhistorischen
Perspektiven anhand eines breiten Spektrums von
Filmbeispielen.

Kooperation mit der JSUD und ZWST

3. – 6. September 2020
Summit in Frankfurt am Main

Das ‚Jewish Women Empowerment Summit‘ ist eine
Bildungsplattform für jüdische Frauen zwischen 18 und
35 Jahren der Bildungsabteilung des Zentralrats der
Juden in Deutschland in Kooperation mit der Jüdischen
Studierendenunion Deutschland und der ZWST.
Sie verfolgt das Ziel, junge jüdische Frauen zu befähigen,
zu vernetzen und aus unterschiedlichen Kontexten
und in ihren Lebenswelten zu unterstützen.
Politische, kulturelle und religiöse Diskurse wurden vor
allem in Deutschland von jüdischen Frauen maßgeblich
mitgeprägt. Dem Jubiläum 100 Jahre Frauenwahlrecht
zum Anlass, sollte an das Kontinuum der Präsenz
jüdischer Frauen in der Gestaltung gesellschaftlicher
Räume angeknüpft werden.
Das erste Summit 2019 erkundete die Zwischenräume
und Schnittstellen „Zwischen Lean In und Eschet Chayil -
Zwischen #metoo und Jswipe“:
Wo stehen junge jüdische Frauen heute in der Gesellschaft
und an welchen Rollenbildern orientieren sie
sich? Sind sie professionell ebenso gut vernetzt wie
privat? Jung - Jüdisch – Weiblich – wie interagieren
diese Zuschreibungen? Was brauchen „Millenials“, um
ihren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden? Müssen
hierfür neue Räume in den Gemeinden geschaffen
werden?
Thema des Jewish Women Empowerment

Geistes- und kulturgeschichtliche Perspektiven vom
Mittelalter bis zur Gegenwart

29.November. – 01. Dezember 2020
Konferenz in Frankfurt am Main

Die Stadt Frankfurt nimmt in der deutsch-jüdischen
Geschichte einen einzigartigen Platz ein. In Frankfurt
bestand lange Zeit die größte jüdische Gemeinde
Deutschlands, und bis 1933 war die Stadt eines der
wichtigsten Zentren jüdischen Lebens in Deutschland
und in Europa. Ihre Geschichte wurde wie die wohl
keiner anderen Stadt in Deutschland geprägt durch ihre
jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die einen wesentlichen
Anteil daran hatten, dass Frankfurt zu einer der
bedeutendsten kulturellen und wirtschaftlichen Metropolen
Deutschlands wurde. Frankfurt war aber auch
die erste Stadt in Deutschland, die Juden zwang, in
einem Ghetto zu leben, und eine der letzten, die diesen
Zwang aufhob. Von den etwa 30.000 Juden, die 1933 in
Frankfurt lebten, haben nur etwas mehr als 100 den
Nationalsozialismus in der Stadt überlebt. Tausende
wurden in den Konzentrations- und Vernichtungslagern
ermordet, viele weitere mussten fliehen. Trotzdem hat
sich die Frankfurter jüdische Gemeinde nach schwierigen
Anfängen nach 1945 heute wieder zu einer der
größten und lebendigsten in Deutschland entwickelt.
Die Konferenz widmet sich der Geschichte der Juden
in Frankfurt als herausragendes Beispiel und als zentraler
Ort für die deutsche und die hessische jüdische
Geschichte, für deren kulturelle, soziale und religiöse
Entwicklung und für die Beziehungen zwischen Juden
und Nichtjuden. Sie untersucht, wie sich Frankfurt zu
einer so bedeutenden jüdischen Stadt entwickelt hat,
aber auch wie es zu einem Ort der Ausgrenzung und
Verfolgung wurde, und sie diskutiert das Verhältnis der
Frankfurter jüdischen Gemeinden zur Stadt Frankfurt
und zu deren jüdischen und nichtjüdischen Bewohnern.
Sie fragt außerdem nach der Rolle Frankfurts für die
jüdische Geschichte Hessens und nach der Bedeutung
der Stadt und ihrer jüdischen Gemeinden für die
Gemeinden und für die Juden in der Region und darüber
hinaus. Die Konferenz bringt dafür international
renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
zusammen und präsentiert die neuesten Erkenntnisse
der Forschung zur jüdischen Geistes- und Kulturgeschichte
Frankfurts.

Programm

Israelische Serien bei Netflix & Co

5. – 7. Juni 2019
Konferenz in Frankfurt am Main

 

 

Das Fernsehen als Apparat im Wohnzimmer mit einem
Programm, das man in einer Fernsehzeitung nachschlagen
kann, mag kurz vor dem Aus stehen, doch die Fernsehserie
als Erzählformat erlebt einen ungebrochenen
Boom. Unterhaltung und gesellschaftliche Selbstverständigung
in Serie. Es geht um die Risse in einer
Gesellschaft, die Konflikte über Generationen oder
Schichten hinweg, um kulturelle und religiöse Diversität
und natürlich um „sex, drugs and crime“. Mit dem
Unterschied, dass heute niemand mehr auf die nächste
Folge warten muss und dass die erzählten Geschichten
globalisiert sind. Und so kommen auch zunehmend
israelische Serien direkt oder indirekt auf unsere Bildschirme.
Die Serien sind verfügbar über Netflix und Amazon oder die Formate werden von anderen Ländern
gekauft und für den (inter)nationalen Markt adaptiert.
Israelische Serien erfreuen sich auch im deutschsprachigen
Raum großer Beliebtheit. Aber wie verändert
sich das Bild von Israel in den „deutschen Wohnzimmern“,
wenn statt israelischem Arthouse Kino und ‚Eis
am Stiel‘, eine ganz andere Bandbreite israelischer
Lebensrealitäten sichtbar werden? Wer schaut die
Serien und was heißt das für ein jüdisches Publikum
in der Diaspora?
Neben diesen und weiterführenden Fragen wird genug
Raum sein für Binge Watching Israel in Frankfurt!