Wo der Glanz der Vergangenheit auf das Leuchten der Zukunft trifft



Grußwort des Vizepräsidenten Mark Dainow zur Widmung des Nordtorgebäudes am Neuen Palais auf dem Campus der Universität Potsdam für das Abraham Geiger Kolleg und das Zacharias Frankel College

Anrede,

 

Ich freue mich sehr, heute hier bei Ihnen zu sein und ein kurzes Grußwort im Namen des Zentralrats der Juden an Sie richten zu dürfen.

 

Die Widmung eines derart prestigeträchtigen, historischen Gebäudes für drei Institutionen, die mit ihrer tagtäglichen Arbeit zur Gestaltung des jüdischen Lebens beitragen, ist ein besonderer Moment für uns alle. Hier trifft tatsächlich der Glanz der Vergangenheit auf das Leuchten der Zukunft.

 

Der Geist der akademischen Freiheit, die sich mit jüdischer Tradition verbindet, erhält hier, im neuen Gebäude wortwörtlich Raum und Möglichkeit zur Entfaltung und Stärkung – davon bin ich überzeugt.

 

Das Abraham Geiger Kolleg, wie auch das Zacharias Frankel College und die School of Jewish Theology sind Lehrstätten, die das jüdische Erbe in Deutschland wieder zum Leben erweckt haben. Der große Beitrag, den das liberale Judentum für die jüdischen Gemeinden weltweit, ausgehend von Deutschland hatte, wird bereits seit der Gründung des Abraham Geiger Kollegs im Jahr 1999 wieder neu geleistet. Und dafür sind wir alle dankbar.

 

Diese Institutionen BILDEN aber nicht nur, sie VERBINDEN auch. Zum einen, wie eben geschildert, die Vergangenheit mit der Zukunft, zum anderen aber auch Menschen weltweit. Mittlerweile kommen hier Studierende aus vielen Ländern zueinander, die wiederum später das Erlernte in die Welt tragen. Wobei, lassen Sie mich hier einen Wunsch äußern: Ich hoffe natürlich, dass sich die meisten Absolventinnen und Absolventen dafür entscheiden, hier bei uns in Deutschland zu bleiben und die jüdische Gemeindelandschaft bereichern werden.

 

Diese Lehrstätten sind auch Zeugnis der Vielfalt jüdischen Lebens, die wir glücklicherweise auch hier in Deutschland wieder haben. So steht das liberale, konservative und reformierte Judentum gemeinsam mit dem orthodoxen Judentum für einen neuen Pluralismus innerhalb des jüdischen Daseins hierzulande. Gemeinsam mit dem orthodoxen Rabbinerseminar sind Sie die Garanten unserer jüdischen Identität. Denn von hier gehen die künftigen Gelehrten aus, die Menschen, die im Judentum den höchsten Stellenwert genießen. Damit einher geht auch eine Verantwortung – in der Tat. Eine Verantwortung, das hier Erlernte zu teilen und jüdische Identität und damit jüdisches Leben weiter zu stärken. Doch ich bin mir sicher, dass alle die sich für ein Studium hier entschieden haben, diese Verantwortung nicht als Bürde, sondern als Ehre empfinden werden. Für die künftige Arbeit darf ich den Studierenden bereits jetzt viel Erfolg wünschen.

 

Doch zuerst sollten sie die Ausbildungszeit genießen, was bei einem derartigen Gebäude wahrscheinlich ein Leichtes sein wird.

Ich möchte hier auch dem Land Brandenburg danken für die Unterstützung dieser wichtigen Lehranstalten. Verehrte Frau Ministerin, Sie haben erkannt, eine Stärkung jüdischen Lebens bedeutet auch zugleich eine Stärkung unserer demokratischen Werte und damit eine Stärkung Deutschlands. Ich bedanke mich auch bei dem Kanzler der Universität Potsdam. Ohne Ihr von Herzen kommendes Engagement, wäre eine derartige Zusammenarbeit wohl kaum möglich gewesen. Last but not least, Rabbiner Homolka, vielen Dank für Ihre immense Arbeit, die Sie für alle drei Institutionen jeden Tag aufs Neue unermüdlich leisten.

 

Ich wünsche dem Abraham-Geiger-Kolleg, dem Zacharias Frankel College und der School of Theology alles Gute und Mazal Tov für das neue Heim!

Vielen Dank.

23.04.2018