Nicht einschüchtern lassen



Präsident Dr. Josef Schuster mit einem Beitrag im Weser-Kurier über Rechtsextremismus

Derzeit ist es schwer, in Läden ein Produkt zu finden, auf dem keine deutsche Fahne prangt – ob Joghurtbecher oder Schokolade. Ganz zu schweigen von Fan-Artikeln in Schwarz-Rot-Gelb (Gold findet sich ja eher selten) wie Hüten, Hawaii-Ketten oder T-Shirts – Deutschland ist im WM-Fieber. Manch einem ist dieser Nationalstolz suspekt, der sich stets für ein paar Wochen während eines großen Fußballturniers zeigt. Die meisten Bürger aber feiern einfach unbeschwert die Erfolge „ihrer“ Mannschaft oder leiden mit bei Niederlagen. Ist das Turnier zu Ende, werden auch die Fahnen wieder eingerollt.

Allerdings gibt es auch Menschen unter uns, die einen völlig übersteigerten Nationalismus pflegen. Die von einem weißen, „reinrassigen“ Deutschland träumen und alle ausstoßen möchten, die nach ihrer Meinung nicht dazu gehören – das sind in den Augen von Rechtsextremisten vor allem Ausländer, Muslime und Juden. Der Verfassungsschutz kam in seinem jüngsten Bericht zu dem Ergebnis, dass die rechte Szene konstanten Zulauf hat. Rechtsextremisten schrecken auch vor Gewalt nicht zurück. Hier ist seit 2014 eine stete Zunahme zu verzeichnen.

 

Diese Entwicklung zeichnet sich seit Längerem ab und erfüllt den Zentralrat der Juden in Deutschland mit tiefer Sorge. 2009, nach dem Tod unseres früheren Präsidenten Paul Spiegel, haben wir uns entschlossen, mit dem Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage Menschen zu ehren und damit hoffentlich zu stärken, die sich Rechtsextremisten und generell Rassismus und Antisemitismus entgegenstellen.

Unsere Preisträger sind ganz unterschiedliche Menschen – Künstler und ein Polizist, Vereine, eine Bürgerinitiative samt Bürgermeisterin, eine Journalistin. In diesem Jahr erhält der evangelische Pastor Wilfried Manneke aus Unterlüß im Landkreis Celle den Paul-Spiegel-Preis. Manneke engagiert sich seit vielen Jahren gegen Neonazis in seiner Region. Demonstrationen, Protest-Gottesdienste sowie viel Aufklärung, gerade für Jugendliche, begleiten den Alltag von Pastor Manneke. In den Augen der Rechtsextremisten ist er ein Verräter und Feind – und das lassen sie ihn mit Bedrohungen spüren.

Pastor Manneke lässt sich davon weder einschüchtern noch abschrecken weiterzumachen. Mit all unseren Preisträgern hat er gemein, dass er mutig und entschlossen die Werte unserer Demokratie verteidigt. Er nimmt dafür auch persönliche Nachteile in Kauf. Das ist nicht nur preiswürdig. Das sollte auch für uns alle ein Vorbild sein. Nur wenn wir uns aktiv für die Werte unseres Grundgesetzes einsetzen, können wir die Demokratie wahren, die Deutschland so mühsam nach 1945 erringen musste.

 

14.06.2018 Weser Kurier 

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