Konferenzen

GEDENKEN IN DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT – ERINNERN IN DER JÜDISCHEN GEMEINSCHAFT

1. – 3. November 2017
Konferenz in Frankfurt am Main


Die Formen und Praktiken des Gedenkens in Deutschland haben sich mit dem Abstand zum historischen Geschehen verändert und zugleich vermehrt. Neben einer Vielzahl an Gedenkstätten sind seit der Wiedervereinigung neue Gedenktage sowie eine Vielzahl an Erinnerungserzählungen entstanden, in denen sich der Übergang eines sozialen Gedächtnisses in ein kulturelles Gedenken abzeichnet.

Auch in der jüdischen Gemeinschaft wird die Schoa in unterschiedlichen Formen erinnert. Die Formen, in denen aus der Sowjetunion eingewanderte Juden und ihre Nachkommen die Schoa und den Zweiten Weltkrieg erinnern, unterscheiden sich von den Erinnerungspraktiken der Nachkommen von Überlebenden. In deren Erinnerung spielen nicht nur die traumatischen Erfahrungen der Eltern und Großeltern, sondern auch die mangelnde Empathie und Schuldabwehr eine Rolle, die dem Gedenken an die Schoa jahrzehntelang von Seiten der nicht-jüdischen deutschen Bevölkerung entgegengebracht wurde.

Im Rahmen der Tagung wird die Gedenkkultur, die in den vergangenen drei Jahrzehnten in Deutschland entstanden ist, und deren Differenzen zur jüdischen Erinnerungspraxis thematisiert. Ausgehend von diesen Unterschieden richtet die Tagung ein besonderes Augenmerk auf die verschiedenen Formen der Erinnerung an die Schoa innerhalb der jüdischen Gemeinschaft und reflektiert deren identitätsstiftende Bedeutung.

Eine Kooperation mit dem Jüdischen Museum Frankfurt und dem Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk.

Konferenzprogramm

Von der jüdischen Sehnsucht nach Heimat

7. – 9. März 2018
Konferenz in Frankfurt am Main


Die wiederaufgeflammte Diskussion um den Heimatbegriff, seine ideologische Verortung und politische Instrumentalisierung, löst in der plural zusammengesetzten jüdischen Gemeinschaft in Deutschland besorgte Diskussionen aus. So sehr der Wunsch nach Integration und Anerkennung für die jüdische Gemeinschaft ein Ausdruck des eigenen Identitätskonzepts ist, so weiß sie doch auch um die ausschließenden Aspekte einer Heimatvorstellung, die deutliche Grenzen der Zugehörigkeit markiert.

Zugleich erfährt der Heimatbegriff innerhalb der jüdischen Gemeinschaft eine besondere Bedeutung: die meisten europäischen Juden haben ihre Heimat verloren oder sind vertrieben worden. Im Spektrum der Erfahrung der jüdischen Gemeinschaft mit Verfolgung und Vertreibung bildet der Nationalsozialismus allerdings nur ein schmerzhaftes Ereignis unter vielen in der Geschichte des Judentums. Während für viele Juden die bürgerliche Emanzipation im Rahmen der Moderne zur »alternativen Heimat« in Reaktion auf Vertreibung und Ghetto wurde, deuten breite Schichten der nicht-jüdischen Gesellschaft die Folgen eben dieser Modernisierung, die ihr Leben verändern, als Heimatverlust. Die Sehnsucht nach Heimatist gleichwohl konstitutiv mit der jüdischen Geschichte und Religion verknüpft. So wie die jüdische Welt plural aufgestellt ist, findet sich eine Bandbreite jüdischer Heimatvorstellungen, die aus religiöser, politischer, philosophischer oder psychologischer Perspektive unterschiedliche Ausdrucksweisen ergeben. Dieser Vielfalt nachzugehen und sie zu vertiefen ist Anliegen der Konferenz.

Gegenwart und Zukunft des jüdischen-christlichen Dialogs

13. – 15. Mai 2018
Konferenz in Frankfurt am Main


In den vergangenen Jahrzehnten ist auf internationaler Ebene in Theologie und Kirche im Kontext des jüdisch- christlichen Dialogs Vieles in Bewegung geraten – mit Blick auf die Reflexion über die Geschichte des christlichen Antijudaismus und Antisemitismus bis hin zur Shoah, aber auch hinsichtlich der Neuformulierung christlichen Selbstverständnisses in der Begegnung mit dem Judentum oder jüdischer Wahrnehmungen des Christentums. Die Konferenz, die namhafte Forscher aus dem In- und Ausland zusammenbringen wird, soll Erreichtes bilanzieren, die unterschiedlichen Facetten des jüdisch- christlich- Dialogs der Gegenwart in Europa, den USA und Israel diskutieren und ein Gespräch darüber eröffnen, wo Schwierigkeiten und Grenzen des Dialogs liegen, wo vielversprechende Neuansätze – insbesondere in der gemeinsamen jüdisch-christlichen Reflexion über Verbindendes wie Trennendes – zu finden sind und wie sich die Erkenntnisse dieses Dialogs wirksam in die Öffentlichkeit tragen lassen.

Die Staatsgründung Israels im Fokus der Geschichte

6. – 8. Juni 2018
Konferenz in Frankfurt am Main


Die 70-jährige Wiederkehr der Staatsgründung Israels bietet einen hervorragenden Anlass, den Blick sowohl auf die Anfänge des Staates als auch auf die vorstaatliche Epoche zu richten. Um die komplexen Verhältnisse der heutigen politischen Landschaft Israels analysieren und interpretieren zu können, ist es notwendig, die politischen, ideologischen und religiösen Debatten im britischen Mandatsgebiet Palästina in den 1930er und 1940er Jahren sowie im 1948 ausgerufenen Staat Israel Revue passieren zu lassen. Der Frage nach sozialen und ökonomischen Strukturen jener Zeit gilt es ebenso nachzugehen, wie dem Umgang mit der arabisch-palästinensischen Bevölkerung sowie der Integration von Shoah-Überlebenden und den jüdischen Flüchtlingen und Neueinwanderern. Welche Einfluss sollten religiöse Organisationen im neugegründeten Staat haben? Welche Bedeutung würde die Kibbuz-Bewegung zukünftig einnehmen? Wie sollte der neugegründete Staat sich zur Diaspora positionieren – und wie sollten die ersten ethnischen Spannungen aufgefangen werden?

Die Konferenz wird diese zeithistorischen Aspekte im Spannungsverhältnis zwischen dem Staat im Aufbau (Ha- Medina Ba-Derech) und dem Staat Israel (Medinat Israel) aufgreifen und in der Form von Vorträgen sowie filmischen und literarischen Beiträgen vertiefen und diskutieren.

Kontinuitäten – Brüche – Herausforderungen

29. – 31. August 2018
Konferenz in Frankfurt am Main


Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindschaft, Migrationsgesellschaft: Diese Stichworte prägen zunehmend die gesellschaftliche, wissenschaftliche und pädagogische Auseinandersetzung mit Vorurteilen und mit ausgrenzenden Denk-und Deutungsmustern. Vielfach schwankt die Diskussion zwischen Engagement und Orientierungslosigkeit, zwischen eindeutigen Positionen und Differenziertheit. So stellt die Zunahme von rechtspopulistischen Einstellungen und Parteien in Deutschland, Europa und den USA die antisemitismuskritische Bildungsarbeit vor neue Herausforderungen. Das lautstarke Wüten gegen eine imaginierte »Überfremdung « des eigenen »Volkes« durch Migranten und Flüchtlinge verdeckt das antisemitische Ressentiment, das sich über Umwege Ausdruck verleiht. So ist in der Rede von der »Lügenpresse« unschwer das Stereotyp jüdisch kontrollierter Medien zu erkennen, die »Kritik der Herrschaft des Kapitals« verweist auf das antisemitische Bild des »jüdischen Wucherers« und die Vorstellung, eine unkontrollierbare Fremdgruppe organisiere die vermehrte Einwanderung von Flüchtlingen, schließt an das alte Phantasma an, die Juden würden den Nationalstaat untergraben.

Die Bilder, derer sich bedient wird, verraten ihre antisemitische Herkunft nicht offen, sondern gerieren sich als Sorge um einen wahrgenommenen Verlust »völkischer und nationaler Selbstbestimmung« – eine Angst, die von zahlreichen rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen in Europa geschürt wird.

Die Tagung widmet sich daher der Frage, wie antisemitismuskritische Bildung neben der Analyse der genannten Phänomene auf das Erstarken rechtpopulistischer Einstellungen in der »Mitte der Gesellschaft« reagieren kann.

Das Bundesministerium der Justiz und die NS-Zeit

7. – 9. November 2018
Konferenz in Berlin


Als das Bundesministerium der Justiz Ende der 40er Jahre seine Arbeit aufnahm, kam es zu erheblichen personellen und politischen Verflechtungen mit dem Nationalsozialismus. So wurden Juristen, die zuvor im Reichsjustizministerium bei Sondergerichten und als Wehrrichter tätig gewesen waren, auch im neugegründeten Bundesministerium der Justiz beschäftigt. Eine Studie mit dem Namen »Die Akte Rosenburg«, genannt nach dem gleichnamigen Ort, der 1950 zum Dienstsitz des Justizministeriums wurde, untersucht die Rolle der Justiz in der NS-Zeit und in der Bundesrepublik, wobei das Hauptaugenmerk auf die personellen Kontinuitäten der Mitarbeiter dieser Behörde und ihrer Karrieren vor und nach 1945 gerichtet ist. Zehntausende der Verfahren gegen NS-Täter in der Nachkriegszeit wurden wegen dieser personellen Kontinuität einstellt.

Im Rahmen der Konferenz wird exemplarisch vorgestellt, wie sich die deutsche Nachkriegszeit – trotz der Shoah und des von des NS-Regime ausgehenden Zivilisationsbruchs sowie der systematischen Entrechtung und Erniedrigung von Menschen – nur äußerst langsam und widerwillig von den nachhaltigen Folgen einer zutiefst belasteten historischen Epoche verabschiedet hat.